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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1926-01-01 · 1915-1926 · page 22

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1915-1926
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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— 23 — wirküchung dieser hochreichenden Pläne unüberwindliche Hindernisse entgegen, und der Heimgegangene mußte sich mit dem Bewußtsein begnügen: in magnis voluisse sat est. „in großen Dingen darf der gute Wille die Tat ersetzen". Dieses sein nachdrückliches Hinarbeiten auf ein gründliches Wissen im jüdischen Schrifttum war jedem Nützlichkeitsmotiv schlechtweg abhold. Ihm galt es vielmehr als Entweihung der Wissenschaft und des Strebens nach Wissen, wenn es als m nor6 ovnp oder .als na SunnS may wenn es zur „Axt der Brotarbeit" oder zum „Kranz der Selbstverherrlichung" erniedrigt wird. Unser Wissen muß um seiner selbst willen erstrebt werden, weil geistige Fortbildung zum Lebensberuf eines jeden wahren Juden gehört, denn nö2n px hxt px es ,ikt px nosn px dx „ohne Geistesbildung keine sittliche Bildung, ohne diese, nicht jene". Die Arbeit an der Bildung des Geistes und an dem sittlichen Charakter gilt bei uns als eine einheitliche, ewig untrennbare Aufgabe. Nach jüdischer Auffassung ist Ton pxn oy xbi xan st t,3 px „kein Ungebildeter sündenscheu und kein Ununterrichteler fähig, den sittlichen Adel selbstloser Hingebung zu erreichen." Dieser Scheu vor der Unwissenheit liegt also ein hohes sittliches Motiv zugrunde, das jedem Vater die heiligste Pflicht auferlegt, für den geistbildenden Unterricht seines Kindes zu allererst zu sorgen. Und diese Vaterpflicht hat der Heimgegangene während seiner 22-jährigen Tätigkeit als Direktor unserer Schule an vielen jungen Menschenblüten innerhalb und außerhalb der Schule in treuer, edler Selbstverleugnung geübt. In dem klaren Bewußtsein, daß sein maßloses Arbeiten Hingabe und Opferung von Jahren seines Lebens bedeutete, hat er alle Bedenken beiseite geschoben, die befreundete Amtsgenossen bei ihm geltend zu machen, suchten, damit er mit seinen Kräften haushalte und sich für die Seinigen schone. Gemäß dem schönen Talmudworte nbibxD ainan vby nbyo nun wart p nx lobon ba „wer das Kind des Nebenmenschen in der heiligen Lehre unterweist, darf sich als dessen Vater betrachten" sah er in den seiner Obhut anvertrauten Menschensprossen eigene Kinder, an denen er Vaterpflichten zu erfüllen hatte ohne Rücksicht auf das eigene persönliche Wohlbefinden. Wenn nun auch die Betätigung als Lehrer auf dem Gebiete des jüdischen Wissens die Lieblingsbeschäftigung unseres Direktors war, so hatte er doch auch für die profanen Fächer eine lebhafte Anteilnahme, die in vollem Einklang stand zu der universalen Bildung, über die er verfügte. Als ein Sohn des durch seine Gelehrsamkeit hochangesehenen Rabbinatsassessors Isaac Lange zu Halberstadt hatte er das Glück, im Vaterhause einen gediegenen Unterricht in den hebräischen Fächern zu genießen, der freilich nur bis zu seinem 12. Lebensjahre sich erstreckte; denn da raffte ein frühzeitiger Tod ihm in dem Vater den erfolgreichen Lehrer seiner Kindheit hinweg. Das humanistische Gymnasium seiner Vaterstadt, das er hierauf 7 Jahre lang besuchte, verlieh ihm eine gründliche klassische Bildung und entließ den hoffnungsvollen Jüngling mit dem Zeugnis der Reife zum akademischen Studium. Er bezog aus besonderem Grunde die Universität zu Berlin, weil er zu gleicher Zeit auch das dortige Rabbinerseminar besuchte, dem Koryphäen jüdischer Wissenschaft wie Hildesheimer, Hoffrnann, Berliner und Barth weithin strahlenden Glanz verliehen. Ausgerüstet mit dem reichen Wissen, das er zu den Füßen berühmter Männer der philosophischen und exakten Wissenschaften wie Zeller, Helmhol tz, Kronecker, Fuchs und Netto durch emsigen Fleiß sich erworben hatte, entfaltete er nach dem Abgange von diesen beiden Hochschulen vier Jahre lang eine eifrige Tätigkeit an der Religionsschule und dem jüdischen Lehrerseminar zu Hannover und vollzog alsdann den Uebergang zum Rabbinerberufe, in dem er aber nur ebenfalls 4 Jahre lang verbrachte und zwar als Rab-

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