Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915-1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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deshalb, mit wärmstem Dank verzeichnet zu werden. Ueberflüssig zu sagen, daß die Verwaltung einer ebenso umfangreichen wie vielseitigen Bücherei mit sehr viel mühsamer Arbeit verknüpft ist. Herr Studienrat Dr. Caro versieht seit 1918 dieses schwierige Amt mit soviel Sachkenntnis und Umsicht und versteht es, fortgesetzt erhebliche freiwillige Beiträge für Neuanschaffungen aufzutreiben, daß ihm dafür an dieser Stelle warme Anerkennung gezollt werden muß. Sind in der geschilderten Weise die nachteiligen Folgen des Krieges für das geistige Wohlbefinden von Lehrern und Schülern ausgeglichen worden, so hat es auch nicht an Bestrebungen gemangelt, bei unseren Kindern das Gleichgewicht in ihrem körperlichen Befinden wiederherzustellen, nachdem die bereits erwähnten Kriegsnöte es ganz erheblich gestört hatten. An erster Stelle verdient die hiesige „ J ü d i s c h e Frauenvereinigung", an derenSpitzeFrauHenrietteBesthof f steht, rühmende Erwähnung; denn ihr ist es gelungen unter Ueberwindung der mannigfachsten Schwierigkeiten, die schon unter gewöhnlichen Verhältnissen einer dem jüdischen Religionsgcsetze gemäßen Verpflegung im Wege stehen, die durch die Entbehrungen des Krieges an unserer Jugend hervorgerufenen körperlichen Schädigungen mit besonderer Fürsorge auszugleichen. Unter nicht genug anzuerkennender Beihilfe der „Niederländischen Centrale für erholungsbedürftige deutsche Kinder" konnte sie seit 1916 alljährlich einige Transporte von 30 bis 50 Kindern, von denen ein großer Teil unseren beiden Schulen ,angehörte, nach Holland schicken. Dort fanden sie in gleichgesinnten jüdischen Familien liebevolle Aufnahme und sorgfältige Pflege, die ihre Widerstandskraft erheblich stärkte. Ein besonders rühmliches Entgegenkommen des Herrn Geheimrat Dr. Abderhalden in Halle gestattete von 1920 an, Kinder unserer Schulen auch nach der Schweiz zu bringen, wo der „Hilfsfonds für deutsche Kinder" ihre Verteilung in fromme jüdische Familien vermittelte. So vermochten wir alljährlich etwa 80 Kinder teils am Vierwaldstätter See, teils in der Nähe von Basel für 6 bis 8 Wochen in guter kräftigender Luft bei aufmerksamer Pflege unterzubringen. Außerdem gingen auch einige tuberkuloseverdächtige Kinder für mehrere Monate nach Davos. Aber auch in der deutschen Heimat wurde von 1917 bis 1924 vielen Kindern auf dem Lande kräftige Kost und stärkende Luft zuteil, während schwächliche oder kränkliche in die Heilbäder von Dürrheim, Kolberg oder Nauheim kamen. Alle diese Maßnahmen zum Schutze und zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Kräfte unserer Jugend, auf der doch unsere ganze Zukunft ruht, erfüllen uns mit dem trostreichen Vertrauen, daß allmählich der ganze Jammer und das namenlose Elend, das der unselige Krieg auf unsere unschuldigen Kinder gehäuft hat, doch beseitigt werden und wir mitder übrigen Menschheit wieder zur Höhe werden aufsteigen können, wozu in den zwei jüngst vergangenen Jahren hoffnungsfrohe Anzeichen wahrzunehmen waren. Die mit der Neuordnung der staatlichen Verhältnisse gleichzeitig eingeleitete Umbildung der Schulordnung brachte auch unserer Schule einige begrüßenswerte Einrichtungen, die in der Vorkriegszeit wohl von manchem Schulmanne im stillen ersehnt, aber sogleich als utopisch erkannt sein mochten. Wer hätte früher die Kühnheit besessen, von dem Zusammenwirken des Leiters der Schule mit einem von seinen Mitarbeitern gewählten Ausschuß eine heilsame Wirkung auf alle Beteiligte zu erwarten? Und doch dürfen wir auf Grund einer fünfjährigen Erfahrung sagen, daß der Lehrerausschuß an unserer Schule sich nach jeder Richtung hin voll bewährt hat. Er wurde zum ersten Male am 1. September 1919 gebildet und zwar aus den Herren: Bondi, Ochsenmann, Schüler, Weyl und den