Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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20 erste Hälfte des Schuljahres sich durch schönes Wetter auszeichnete, so dass wir am 27. Mai und am 15. September eine Tageswanderung ins nahe Gebirge oder an den Rhein aus* führen konnten, war uns in der anderen nur einmal am ö. Dezember Schlittschuhlauf verstattet, und im übrigen mußten die Spielstunden statt im Osipark teils im Schulhofe, teils in der Turnhalle abgehalten werden. Wegen Hitze fielen an 9 Tagen einzelne Unterrichtsstunden aus; am 13. November fiel der Unterricht ganz aus, weil auch unsere Schule sich an dem Empfange des Herrn Reichspräsidenten gelegentlich seines Besuches unserer Stadt beteiligte. — Ein ExperimentalVortrag über flüssige Luft, der am 23. September unseren beiden Schulen in der Turnhalle gehalten wurde, erregte lebhaftes Interesse bei allen Kindern. Mit dem Schlüsse des Sommerhalbjahres ist Herr Zeichenlehrer Georg Widmann in den Ruhestand getreten, nachdem er fast vierzig Jahre hindurch mit schönstem Erfolge unseren Unterrichtsanstalten äußerst wertvolle und treue Dienste geleistet halte dadurch, daß er Auge und Hand unserer Kinder zu künstlerischer Betätigung anzuregen und ihre Seele mit geistigen Werten zu bereichern wußte, die ihnen fürs ganze Leben unveräusserlich bleiben werden. Die unübertroffene Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der er unserer Jugend ein nachahmenswertes Beispiel von Pflichttreue gegeben hat, die stets heitere Freundlichkeit und Zuvorkommenheit, die er im Verkehre mit seinen Mitarbeitern bekundet hat, lassen uns sein Scheiden als einen empfindlichen Verlust für uns alle empfinden. Mögen ihm noch viele Jahre in wohlverdientem Genüsse eines ungetrübten Lebensabends beschieden sein.' - An seine Stelle ist einer seiner ehemaligen Schüler, Herr Zeichenlehrer Naihan Jeidel, getreten. - Unser Hausmeister, Herr Carl Klarmann, konnte am Schlüsse des Sommerhalbjahres auf eine in hervorragender Pflichttreue zurückgelegte Dienstzeit von drei Jahrzehnten zurückblicken. Die Schulgemeinde hat an dieser Jubelfeier des allseitig geschätzten und beliebten Beamten lebhaften Anteil genommen. — In anerkennenswertem Entgegenkommen hat Herr Zahnarzt Dr. Saffra, in diesem Jahre die Untersuchung unserer Kinder in bezug auf die Beschaffenheit des Gebisses durchgeführt, ein wichtiger Dienst zum Wohle unserer Jugend, für den wir diesem Herrn zu tiefem Danke verpflichtet sind. — Die von unserem Elternbeirat eingerichtete Frühstücksspeisung, an der eine sehr große Zahl unserer Kinder regelmäßig teilnimmt, hat auch dieses Jahr vorteilhaft auf ihre Kräftigung eingewirkt. Ebenso konnten erholungsbedürftige Knaben und Mädchen, die unser Schularzt, Herr Dr. Cobliner, nach gesundheitlichen und sozialen Gesichtspunkten ausgewählt hatte, dank dem freundlichen Entgegenkommen der Jüdischen Frauenvereinigung einen mehrwöchigen Erholungsurlaub im Gebirge oder auf dem Lande genießen. —- Für die Berufsberatung wurden wir in dankenswerter Weise durch die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege und durch das städtische Berufsamt unterstützt. Allen mit dem Reifezeugnis abgehenden Schülern konnten wir brauchbare Lehrstellen nachweisen; Endlich haben wir noch einiger Todesfälle zu gedenken, die uns mit tiefer Trauer erfüllt haben: Am 13. Juni verstarb in Hamburg der Direktor der dortigen Schwesteranstalt Talmud- Tora, Herr Dr. G o 1 d s ch m i d t, der vor seiner im Jahre 1669 erfolgten Ernennung zum Leiter jener Realschule dreizehn Jahre an unserer Schule als äußerst geschätzter, wissenschaftlich hochstehender Lehrer für Deutsch, Geschichte und Erdkunde gewirkt halte. Ihm war ein hohes Alter in beneidenswerter Frische des Körpers wie des Geistes zuteil geworden. Am 2. Juli, als wir gerade die Sommerferien zu beginnen uns anschickten, schied von uns