Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2580773-2580848--2658-2583064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 23 — Mitten in den Sommerferien, am 17. Juli (Jl?n nitf »aa 'i) schied unser allverehrter Rabbiner, Herr Dr. Salomon Breuer b")£!, aus dieser Zeitlichkeit. Er hat eine lange Reihe von Jahren hindurch die Schüler und Schülerinnen unserer Abgangsklassen in regelmäßig sich wiederholenden weihevollen Wochenstunden mit dem Geiste der jüdischen Gesetzeslehre bekannt gemacht, und es war ihm beschieden, in den empfanglichen Gemütern unserer Jugend nachhaltige Begeisterung für die jüdischen Ideale zu entflammen und zu steigern. Wie einem großen Teile der Schülerschaft war auch dem Unterzeichneten, der die Ferien in weiter Ferne zubrachte, zu seinem schmerzlichen Bedauern die persönliche Teilnahme an dem Begräbnis leider versagt. In seiner Vertretung würdigte Herr Studienrat Dr. Lange als einer der vielen Redner bei der Leichenfeier, die Montag, den 19. luli (z^n nywn my), unter ausserordentlich zahlreicher Beteiligung weiter Kreise in unserer Gemeindesynagoge an der Friedberger Anlage abgehalten wurde, die unvergänglichen, hohen Verdienste des teuren Verblichenen um die religiöse Belehrung und sittliche Festigung unserer Jugend. Bei der Wiederaufnahme der Schularbeit nach den Ferien am 3. August führte der Unterzeichnete der Schulgemeinde die Schwere des Verlustes, den sie wie die Gesamtjudenheil durch den Heimgang dieser geistigen Größe erlitten hat, vor die Seele in einer kurzen Gedächtnisrede folgenden Wortlautes: Liebe Schüler und Schülerinnen! Während wir sonst nach dem ausgiebigen Genüsse erholungsreicher Ferienwochen in fröhlicher Stimmung uns hier wieder zusammenfinden durften, müssen wir heute, ehe wir frischen Mutes an die Fortsetzung unserer Schularbeit herantreten, in tiefer Wehmut des herben Verlustes gedenken, den wir alle durch den Heimgang eines Mannes erlitten haben, der uns wie ein treusorgender Vater nahe gestanden hat. )übtyb "f?n Ijp-O nübw lmD um», unser Herr, un r Führer, unser Lehrer, unser weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus hochverehrter Rabbiner Dr. Salomon Breuer hat nach einem reich gesegneten, über das Mass des biblischen Alters ausgedehnten irdischen Leben sein tatenreiches Erdenwallen abgeschlossen und ist aus unserer Mitte am )*!Tn rQttf hinübergeschlummert ttlEfpl &rf?JQ„m die Welt der reinen Wahrheit." Leider ist es nicht allen von uns beschieden gewesen, teilzunehmen an der eindrucksvollen Feier, die seiner Beerdigung voraufgegangen ist, und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Darum gibt dje gesamte Schule heute ihrem aufrichtigen Schmerze um den Verlust unseres geistigen Oberhauptes Ausdruck, indem sie mit dem Propheten rPDT in den Klageruf ausbricht: möy rtes „gefallen von unserem Haupte ist die Krone unserer Gemeinde." Mehr al sieben Jahrzehnte sind seit der Begründung der Israelitischen Religionsgesellschaft vergangen, und während dieser langen Reihe von Jahren hat sie nur zwei Rabbiner an ihrer Spitze gesehen, die ungefähr gleich lang ihres verantwortungsschweren Amtes gewaltet haben. Aber nicht bloss der Zeit nach haben diese ausgezeichneten Männer sich gleichmässig in der schwierigen Aufgabe geteilt, erfolgreiche Führer einer der ersten jüdischen Gemeinden der Diaspora zu sein, deren Ansehen nach innen und aussen zu mehren und das Schwergewicht ihrer Bedeutung und ihres Einflusses zu festigen und zu erhöhen; auch hinsichtlich des Umfanges ihrer Amtstätigkeit kann gesagt werden, dass der zweite Rabbiner unserer Gemeinde zur glücklichen Vollendung