Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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— 10 — Beiträge ermöglicht, das stattliche Haus zu beziehen, in dem die Anstalt seit 22 Jahren heimisch ist und in der Stille ihr wichtiges Werk betreibt. Hand in Hand mit der äusseren ging zugleich eine glückliche innere Entwicklung. Bei der Gründung wurde ein doppeltes Ziel ins Auge gefasst: Ais erstes die religiöse Erziehung einer jüdischen Jugend, die treu festhalten sollte an dem Glauben ihrer Väter, die ausgiebig unterwiesen werden sollte in den Lehren und in der Sprache ihrer Religion, im Hebräischen, um an die Quellen geführt zu werden und die Grundlage zu eigener Überzeugung zu gewinnen. Und mit diesem Ziele sollte sich das zweite verbinden, den Zöglingen eine Bildung zu übermitteln, die sie befähigen sollte, im Beruf ihre Stelle auszufüllen und ihre Pflichten gegen das Gemeinwesen und den Staat treu zu erfüllen. War es aber wirklich ein doppeltes Ziel? Wie der verehrte Mann, der Gründer dieser Anstalten, Samson Raphael Hirsch, nicht müde wurde, mit aller Entschiedenheit. Klarheit und Bestimmtheit zu betonen, dass religiöse und humane, soziale Bildung, wie er es nannte, sich nicht gegenseitig ausschliessen, sondern bedingen, so steht auch die Unterrichtsverwaltung auf dem gleichen Standpunkt, dass die Grundlage jeder Bildung die Religion sein muss, dass die Furcht Gottes aller Weisheit Anfang ist. So sind wir, Unterrichtsverwaltung und Schulrat, im Grunde genommen, einig. Wohl haben Verhandlungen und Vereinbarungen stattfinden müssen bezüglich der Abgrenzung der Fächer, speziell des hebräischen Faches, nicht deshalb, weil eine Abneigung dagegen vorgelegen hätte oder eine Verkennung seiner Wichtigkeit, sondern aus pflichtmässiger Sorge für das geistige und leibliche Wohl der Jugend, die nicht mit allzuschweren Lasten überbürdet werden darf. Wenn ich einen Rückblick auf die Entwicklung der Anstalt werfe, so ist es nicht meine Aufgabe, die innere Ausgestaltung im einzelnen zu verfolgen, wie z. B. die Knabenabteilung erst zu einer Realschule zweiter Ordnung, später zu einer Realschule schlechtweg wurde. Uns alle muss jedoch das Gefühl des Dankes gegen den Allmächtigen beseelen dessen Segen so sichtlich auf dieser Anstalt geruht hat. Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Durchdrungen von diesem Gefühl müssen wir alle die, welche dieser Anstalt ihre Kräfte und Mittel geliehen haben, als Werkzeuge in der Hand des Höchsten ansehen. Gott hat den Mitgliedern dieser Gemeinschaft das Herz warm gestimmt und die Hand willig gemacht zu reichem Gebe'h. Die Geschichte dieser Anstalt beweist es, wie kaum die einer andern, was Opferwilligkeit, die der Begeisterung für ein hohes Ideal entspringt, zu leisten vermag. Wenn wir nun in dieser Stunde des Gründers dieser Anstalt gedenken und seines Sohnes und Nachfolgers, Dr. Mendel Hirsch, so wollen wir doch auch die Lebenden nicht vergessen. Vor zwei Jahren erhielt ich den Auftrag, den jetzigen Direktor, Herrn Dr. Lange, in sein schwieriges Amt einzuführen. Wir haben — ich darf es wohl sagen — in dieser kurzen Zeit gesehen, wie die Hoffnungen, die an seinen Eintritt in das Amt geknüpft wurden, sich zu erfüllen begannen. Von seiner jugendlichen Kraft, seinem rührigen Eifer darf die Anstalt auch in Zukunft reichen Segen erwarten. Ihm treu zur Seite steht das Lehrerkollegium, eine stattliche Zahl von Lehrern und Lehrerinnen, die freudigen Sinnes ihre Kräfte in den Dienst der Schule stellen. Es freut mich besonders, in der Lage zu sein, als äusseres Zeichen der Anerkennung und Huld, mit der auch Se. Majestät der König auf diese Anstalt blickt, zwei Mitgliedern des Lehrerkollegiums und dem langjährigen Pedell der Anstalt Allerhöchste