Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 217)
- Language
- German
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wollen ihrer aber zum Schlüsse doch wenigstens mit einigen streifenden Worten gedenken. Der Talmud nennt den um die Zeit des Untergangs des jüdischen Staates unter Vespasian lebenden Hohenpriester Josua ben Gamhi als den Begründer des öffentlichen Schulwesens und der allgemeinen jüdischen Schulpflicht: „Kiir"! gesegnetes Andenken verdient jener Mann — Rabbi Josua ben Gamla ist sein Name — denn ohne seine Wirksamkeit wäre das Grotteswort in Israel vergessen worden.1' Der Talmud schärft die allgemeine Schulpflicht sehr strenge ein. Wir wollen nur auf die für den Pädagogen, aber auch für den Kuiturhistoriker fesselnde Tatsache hinweisen, dass hier, anderthalb Jahrtausende bevor bei den höchst entwickelten Kulturvölkern Europas ein öffentliches Schulwesen erblüht war, ein solches sich entwickelt hat. Schulanstalten und Hochschulen wurden gegründet, in welchen in erster Reihe, wenn auch durchaus nicht ausschliesslich, die biblischen Schriften und die zu ihrem Verständnis nötigen Disziplinen getrieben wurden. War auch der Volkskörper gesprengt, so musste doch die Lehre und der Geist, die dieses Volk beseelen sollten, aus den Trümmern gerettet werden. Und so schuf sich ein dem politischen Untergänge geweihtes Volk Organe rein geistiger und sittlicher Natur, welche ohne sonstige physische Machtmittel, mitten in einer Welt von Feinden, eine noch nie dagewesene ideale Volkseinheit aufbauten: eine Volkseinheit — ohne Volk! Solcher Wirkungen versah man sich in den Zeiten nach dem Untergange des jüdischen Staates von der Einführung der öffentlichen, für alle jüdischen Kinder auf dem weiten Erdenrunde verbindlichen Schulpflicht: eine Hoffnung, die sich bis auf den heutigen Tag erfüllt hat, eine Erfüllung und ein Trost für alle Bekenner, deren blosses Dasein allen, die Augen haben, die untrügliche Wahrheit des Propbetenwortes verkündet: „Nicht51) durch Heeresmacht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Gott Zebaoth.u 49) Pentateuch V., Cap. 11, V. 19. 50) Talmud Baba Bathra 21a; s. auch Willmann,Didaktik etc. I. S. 142 51) Secharjah Cap. 4, V. 6. (Iiihalts-Übersicht s umseitig) cf '%