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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1903-01-01 · 1903 · page 216

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1903
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 216)
Language
German
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IRI
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26 nicht vernachlässigen kann. So ist der Vater nicht nur der Gebende, sondern auch der Empfangende. Es muss sich an ihm die uralte Erfahrung jedes Lehrers, dass im Unterrichten die eigene geistige Tätigkeit angeregt wird, das alte Wort docendo diseimus, bewähren. Sollte dieser Gedanke nicht auch wirklich in der Bibel selbst ausgedrückt sein in der Mahnung: „Lehret49) sie (die Gebote) eure Kinder, um darin zu forschen, wenn du sitzest in deinem Hause, und wenn du gehst auf dem Wege, und wenn du dich hinlegst, und wenn du aufstehst"? Muss man nicht die Worte „um darin zu forschen", wenn man die zweite Hälfte dieses Verses genau beachtet, auf das Forschen des Vaters beziehen, dessen Geist sich entzünden wird an dem Geiste der von ihm unterwiesenen Kinder? Die Erziehungspflicht den Kindern gegenüber mündet für jeden einzelnen Vater wieder in die für alle Israeliten verbindliche Pflicht der Selbsterziehung ein. Durch die Erziehung unserer Kinder kommen wir selbst nach der Absicht des biblischen Erziehungsplanes dem Ideal der Selbstvollendung näher, einem Ideale, welches völlig zu erreichen aber nur selten einem Sterblichen beschieden ist. Wir haben uns in unseren Darlegungen im wesentlichen auf die Erörterung der alttestamentlichen Lehren und Vorschriften über das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern beschränkt. Nur vereinzelt haben wir, besonders bei der Besprechung der Pfl i clit der Eltern Verehrung, Sätze und Anschauungen des Talmuds herangezogen, aber im allgemeinen nur solche, die nahe liegende Deutungen der Bibehvorte und Schlussfolgerungen aus diesen enthalten. Der Talmud selbst, jenes viel genannte, wenig gelesene, um so mehr aber — vielfach leider auch absichtlich — verkannte und geschmähte Werk aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, hat, wie er alle Lebensverhältnisse der Juden unter dein Gesichtspunkte religiöser Pflicht, sub specie aeterni, auffasst und regelt, auch aus den pädagogischen Saatkörnern der Bibel eine reiche Ernte gezogen. Aber in die talmudischen Erörterungen über Fragen der Erziehung und des Unterrichts spielt bereits eine neue, durch die veränderten Zeitverhältnisse nötig gewordene Einrichtung hinein: das öffentliche jüdische Schulwesen. Diese Wendung in der Geschichte der jüdischen Pädagogik haben wir von unserer eigentlichen Darstellung zwar ausgeschlossen, VI

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