Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 213)
- Language
- German
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n antworten: Ein Passahopfer ist es dem Ewigen, der hinwegschritt über die Häuser der Söhne Israels in Ägypten, als er die Ägypter traf; unsere Häuser aber rettete Er". Bei der Darbringung der Erstgeburt des Viehs soll ebenso das Kind zum Fragen über die Bedeutung dieser Weihung angeregt und vom Vater auf die Erlebnisse der Almen in Ägypten und ihre Befreiung durch Gott hingewiesen werden. Wi 11 m a n n, einer der bedeutendsten pädagogischen Denker der Gegenwart, weist darauf hin4J), dass nirgends im Altertum die Geschichtskunde als Element der Jugendbildung so nachdrücklich betont wird wie im alten Israel, wie denn auch in keiner anderen Religionsurkunde die unlösliche Verknüpfung zwischen der Geschichte und dem Glaubensinhalt angetroffen wird wie in der Heiligen Schrift. Jene beiden Überzeugungen von Gott als Walter im Naturwie im Völkerleben sprechen sich vielfach in den täglichen wie in den Sabbat- und Festgebeten, ganz besonders natürlich in den sabbatlichen Vorlesungen aus dem Pentateuch und anderen Teilen der Bibel aus. Noch heutigen Tages werden kleine Kinder geradezu darauf vorbereitet, ihren Eltern an den Passahabenden über Israels Geschichte in Ägypten und seine wunderbare Befreiung aus dem „Sklavenhause" Fragen vorzulegen. Bevor das Kind eigentlich beten lernt, werden ihm gewisse Sätze eingeprägt, in welchen auch jenes epochemachenden geschichtlichen Ereignisses gedacht wird. Diese Sätze werden ihm noch heute von den Eltern jeden Morgen unmittelbar nach dem Erwachen und jeden Abend unmittelbar vor seinem Einschlummern vorgesprochen. So kommt es denn, dass heute noch, viertehalbtausend Jahre nach jenem Ereignisse, unsere Kinder mit ihrer jugendlichen Phantasie in Ägypten zu Hause sind, mit ihren dort gequälten Grossvätern weinen, mit ihnen bei ihrem Auszuge aus dem Lande ihrer Peiniger befreit aufatmen und jauchzend mit ihnen an jedem frischen Morgen einstimmen in den brausenden Jubelgesang am Meere. Aber der Vater soll nicht nur der erste Lehrer und Er- 22. zieher seines Kindes sein, sondern das gesamte Gebiet der 44) Willmanns, Didaktik als Bildungslehre, Bd. I, 2. Auflage, S. 138; siehe ausserdem von demselben Verfasser den Artikel „Israelitische Erziehung" in Rein, Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik, Bd. III. VI