Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 211)
- Language
- German
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21 Persönlichkeit und die Heiligung des gesamten irdischen Lebens zu erzielen. „Alle Satzungen und Verpflichtungen des Gottesgesetzes", heisst es in einem uralten Kommentar39) zum ersten Buche des Pentateuch, „seien nur gegeben, um die Geschöpfe durch ihre Beobachtung zu läutern", zu läutern nämlich ihre Gotteserkenntnis und ihr Verhalten zu den Nebenmenschen. In diesen Geist des jüdischen Gesetzes die Kinder einzuführen, damit kann nicht früh genug begonnen werden, und nur die Eltern können dies leisten. Diese erste Einführung aber kann natürlich noch nicht auf dem Wege des Unterrichts oder der religiösen Eeflexion vor sich gehen. Hier muss man sich zunächst an die Empfänglichkeit der kindlichen Augen und Ohren wenden, die auf die Handlungen und Reden der Erwachsenen achten. So kann den Kindern eine Menge von Wissen und Können bereits vermittelt werden, bevor die planmässige Belehrung an sie herangetreten ist. Das lebendige Beispiel der Eltern ist zunächst der einzige, aber auch der seines Erfolges sicherste Lehrmeister. Das Gottesgesetz verlangt es ausdrücklich, dass die Eltern, wo es angeht, den Kindern Gelegenheit geben, das religiöse Leben im Elternhause zu beobachten. Schon früh soll man ihre Aufmerksamkeit auf die religiösen Ceremonien und die religiös-sittlichen Handlungen hinlenken, die Wissbegier der Kinder und ihren Hang zum Fragen spornen und ihrem Nachahmungstriebe ein Feld der Betätigung eröffnen. Denn sie atmen mit dem von ihnen auch nur äusserlich Geübten, mit dem von ihnen nur unverstanden Nachgelallten zugleich auch religiöse Stimmungen ein, und früh schon zieht mit ihnen ein religiöses Ahnen und Sehnen in die wachen Kinderherzen ein. Den jungen Acker ihrer unberührten Seele soll man schon früh bearbeiten, denn gar bald kommt die Zeit, wo die heiligen Saaten des Gotteswortes selbst in ihrem Gemüte Wurzel schlagen sollen. Eine charakteristische Vorschrift der talmudischen Überlieferung zeigt uns deutlich, wie ernst die alten israelitischen Weisen die Erziehungsaufgabe auffassten. Wichtige Sätze des Lehrgehaltes des Pentateuchs, verlangen sie, soll man schon dem eben zum Verständnis reifenden Kinde vermitteln. „Sobald40) 39) Bereschith Rabbah Cap. 41. 40) Talmud Traktat Suckah 42a. VI