Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 209)
- Language
- German
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19 mit Recht das Teuerste ist, entsagt, und diese erhabene Selbstentäusserung ist ihnen nicht vergessen worden. Der scheidende Moses hat in seiner Todesstunde noch ihrer sich erinnert und hoch den Stamm gepriesen36): „Der zu seinem Vater und zu seiner Mutter gesprochen: ich habe sie nicht gesehen, und seine Brüder kennet er nicht, und seiner Söhne achtet er nicht, denn sie haben Dein Wort bewacht, und Deinen Bund hüten sie." So gewinnen wir in der Tat aus dem Verhalten von geschichtlichen Persönlichkeiten der Bibel, das wir als typisches, für die folgenden Geschlechter lehrhaftes betrachtet haben, die Überzeugung, dass der göttliche Erziehungsplan für die menschliche Gesellschaft unter allen Umständen gewahrt bleiben müsse. Die Eltern haben wir als Stellvertreter Gottes auf Erden den Kindern gegenüber kennen gelernt, aber auch nur als seine Stellvertreter. Er selbst aber hat sich die Oberhoheit vorbehalten und dafür gesorgt, dass der Vasall sich nicht vermesse, sich auf den Thron seines Lehnsherrn zu setzen. Was die speciell erzieherischen Aufgaben betrifft, die das j£ Haus zu lösen hat, so ergiebt sich ein Teil derselben schon aus den vorangegangenen Auseinandersetzungen: die allgemeine elterliche Zucht und die dabei gebotene Berücksichtigung der Individualitäten — wovon oben schon die Rede war — gehören zu diesen Aufgaben. Die den Eltern gegenüber gebotenen Pflichten des Gehorsams und der hingebenden Liebe sind zugleich ein irdisches Abbild des Gehorsams und der vollständigen Hingabe an die Gottheit, aber nicht nur ein Abbild, sondern zugleich ein Mittel und eine Anleitung zu dem Gehorsam gegen Gott. Das oberste Prinzip für das Verhalten der Kinder ruht in der Autorität der Eltern, wodurch schon ein sittlicher Standpunkt für die Kinder gewonnen ist. Auf dieser Stufe schon paaren sich in dem Empfinden und in der Selbstbestimmung des Kindes sittliches Nachdenken mit Gefühlen der Neigung. Die Gefühle der Neigung aber sind aus dem jüdischen Tugendbegriffe nicht verbannt.37). So soll auch in dem Verhältnisse zu Gott neben dem unbedingten und unbegrenzten Gehorsam gegen seinen Willen das Gefühl der inbrünstigen Lieb e zu Ihm, in dessen Ebenbilde wir geschaffen 36) Pentateuch V, C. 33, V. 8-11. 37) Auch nach diesem Tugendbegriffe ist Schillers beissender Spott VI