Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 201)
- Language
- German
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Ii mit geschlossenen Augen vorübergehen22): „Das grollende Wort dringt tiefer bei dem Verständigen ein, als hundert Schläge bei dem Toren". Diese Eatschläge für die Kinderzucht gelten einer Vorstufe 11. zu dem eigentlichen Erziehungszwecke. Das Ziel selbst aber ist das Studium der Lehre und die praktische religiöse Übung. Dieser Zweck dient, wie wir sehen, nicht einem einseitigen Intellektualismus, sondern einem in erster Reihe sittlichen Zwecke. Das Kind, welches durch die häusliche Zucht für die Erfassung der Lehre gewonnen und reif gemacht worden ist, hat in dieser wiederum eine Quelle der Selbsterziehung und die Möglichkeit der Selbstvollendung gewonnen. Zucht und Lehre fallen nach der biblischen Auffassung dem Hause als zwei von ihm zu lösende Aufgaben zu. An der Lösung der ersteren Aufgabe arbeiten Vater und Mutter gemeinschaftlich, ja, die Mutter hat hier vielleicht noch mehr zu leisten als der Vater, wie aus so manchen Versen der „Sprüche" hervorgeht. Die Lehre dagegen wird ausdrücklich als eine Pflicht des Vaters angesehen. Was wir heute von dem Zusammenwirken des Hauses und der Schule verlangen und erwarten, das soll nach der Forderung der Bibel das Haus allein leisten. Für diese Auffassung ist ein uralter Glückwunsch, der schon im Talmud erwähnt wird, und bis auf den heutigen Tag sich in gläubigen jüdischen Kreisen erhalten hat, so recht bezeichnend. Unmittelbar nach Vollziehung des Beschneidungsaktes rufen dem Knäblein und seinem Vater die Umstehenden den Segensspruch zu23): „Wie dieses Kind in den Bund Gottes mit Israel aufgenommen worden ist, so möge es hingeführt werden zur Gotteslehre (mirfr), zur Gründung einer Familie (nsin^) und zu guten Handlungen (raio nwyab).a Dieser Glückwunsch zeichnet das Lebensprogramm des Is- 12. raeliten, er enthält zugleich das Erziehungsprogramm für die 22) Sprüche 17, 10 23) Talmud Traktat Sabbat 137 b.; Maimonides Band I im Abschnitte: Vorschriften über die Beschneidung Cap. 3 muss eine andere, aber nur unwesentlich abweichende Lesart gehabt haben. Nach dieser gilt der Glückwunsch, d. h. das Erziehungsprogramm nur dem Vater: rv~i3t> mDJDriE' ÜW2 ti'nbi r&mb rmnt> ino'jDn p. VI