Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 200)
- Language
- German
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10 Schwache gekräftigt; das Individuum wird geschont, der Individualismus aber gebändigt. Denn so spricht Gott, der Erzieher seines Volkes Israel: „Hoch19) und heilig throne ich, aber auch bei dem Gedrückten und Demütigen, zu beleben den Mut der Niedrigen und zu beleben das Herz der Gebeugten . . . Denn von mir aus umhüllt sich der Geist, und die Seelen, ich habe sie ge b ild et." IQ Alle Güter, die der Mensch auf Erden sein eigen nennt und geniesst, sind nach der biblischen Auffassung von Gott verliehen. Die Kinder aber bilden die köstlichsten Lehnsgüter, deren Verwaltung den Eltern in der Form der Erziehungspäicht wiederholt eingeschärft wird. Das Haus ist die eigentliche Stätte der planmässigen Erziehung, und zwar der Zucht sowohl wie der Belehrung. Von Schulen ist in der Bibel sehr wenig die Eede, und ein eigentliches Schulwesen wird, wie oben bereits bemerkt wurde, im israelitischen Altertum kaum bestanden haben. Die sogenannten Prophetenschulen können keineswegs für das Vorhandensein eines öffentlichen Unterrichtswesens angeführt werden. Die körperliche Erziehung der Kinder wird bei den talmudischen Bibelforschern durchaus nicht vernachlässigt.20) Aber auch das Werk der geistigen und sittlichen Erziehung der Kinder soll früh begonnen werden. Die Eltern sollen sich bei Zeiten bewusst werden, dass sie ihr Kind für Gott und die von ihm gesetzten irdischen Zwecke zu erziehen haben. Hinsichtlich dieser Pflicht ist der Pentateuch reich an regulativen Vorschriften. Eine Fundgrube aber von Anweisungen über die Zucht der Kinder sind die Sprüche Salomonis. Die strenge und strafende Hand des Vaters wird häufig angerufen. Und doch kommen auch hier schon die Individualitäten der Kinder zu ihrem Rechte. Die körperliche Strafe wird nicht verworfen, aber auch das strafende Wort wird in seiner Bedeutung erkannt. Es heisst einerseits-1): „Züchtige Deinen Sohn, so wird er Dich erquicken und Wonne gewähren Deiner Seele". Doch der Prügelmeister soll auch an dem anderen Verse nicht 19) Jesajah C. 57 V. 15-16. 20) Talmud Traktat Kethuboth 59. 21) Sprüche 29, 17. VI