Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 194)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2580773-2580832--1594-2582393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 ganze Volk, alle Volksgenossen nämlich ohne Unterschied des Alters, wie die Kinder so auch die Erwachsenen und Greise, als seine Zöglinge in Anspruch nimmt. Die Schulen der Kulturvölker sind genötigt, ihre Zöglinge zu entlassen, wenn sie in das Jünglingsalter eintreten, das heisst zu einer Zeit, wenn sie der sittlichen Beratung und Lenkung eigentlich am meisten bedürftig sind. Die Fortbildungsanstalten unserer Zeit, wie sie auch geartet sein mögen, sind ja gerade auch aus solchen sittlichen Erwägungen im Interesse der schulentlassenen Jugend hervorgegangen. Aber das alte, pädagogisch wie didaktisch gleich wertvolle Wort: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", hat in dem biblischen Erziehungsplan eine noch ungleich umfassendere und erhabenere Bedeutung gewonnen. Jenem Plane ist das ganze irdische Leben die Schule, durch die wir alle zu gehen haben, die uns mit ihren an alle Volksgenossen sich wendenden Anforderungen lebenslänglich, in jedem Augenblicke von neuem in Anspruch nimmt, und die uns aus ihrem Unterricht und ihrer Disziplin erst dann entlässt, wenn wir Menschenkinder eben in der Schule nicht mehr zurückgehalten werden können — wenn wir sterben! Dann aber beginnt nach dieser Auffassung erst das eigentliche Leben, für welches die irdische Lebenschule vorbereitet hat, in dessen höhere Ordnung aber einen Blick zu werfen dem Zögling während seiner Schulzeit versagt ist. Die biblischen Lehren und Vorschriften erstreben eine Versittlichung und Heiligung des Individuums auf Erden: eine Heranbildung des einzelnen zur Lösung der Aufgaben, die nur in der irdischen Gemeinschaft der Menschen sich aufwerfen und nur von der Gemeinschaft aller erschöpfend gelöst werden können, und endlich eine Vorbereitung des Individuums auf das jenseitige Leben. Aber abgesehen von diesem für die Bibel charakteristischen Plane der Erziehung des ganzen Mensel] engeschlechtes, kann natürlich jene nicht umhin, auch der Pädagogik im engeren und eigentlichen Sinne des Wortes ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Systematische pädagogische Ansichten, liegein und Vorschriften darf man von der Bibel nicht erwarten. Die Grundlage aller Religions Vorschriften und Belehrungen über das Wesen und die Waltung Gottes war den Israeliten immer der Pentateuch. Diesen dürfen wir aber so wenig wie die Bibel überhaupt als VI