Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 195)
- Language
- German
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5 ein systematisches Werk ansehen. Mit grösserem Rechte dürften wir den Pentatench wegen seiner ganzen äusseren Komposition, wegen der eigentümlichen Anordnung der in ihm enthaltenen geschichtlichen, gesetzgeberischen wie allgemein belehrenden und aufklärenden Bestandteile als ein organisches Werk bezeichnen. Die fünf Bücher Mosis und die übrigen biblischen Bücher, und unter diesen besonders die „Sprüche Salomonis", bleiben aber nichtsdestoweniger eine Fundgrube pädagogischer Weisheit, und sie sind nach dieser Richtung auch von jeher von pädagogischen Denkern voll gewürdigt worden.3) Das israelitische Altertum in der biblischen und nachbiblischen Zeit des Bestandes eines jüdischen Staates kannte kein öffentliches Schulwesen und keine allgemeine Schulpflicht. Und doch musste jener biblische Erziehungsgedanke und Erziehungsplan, wie wir sie angedeutet haben, verwirklicht werden. Unsere Altvorderen kannten als vorzüglichste Erziehungsanstalt für die Jagend nur das Haus, das Haus war die Schule, Erzieher und Lehrer waren die Eltern. „Siehe, ein von Gott geschenktes Erbe sind Kinder, ein 6. Lohn ist die Leibesfrucht".4) Das ist das Motto für die Auffassung des dem Volke Gottes gelehrten Verhältnisses der Eltern zu den Kindern. Eines solchen Erbes teilhaftig zu werden, dieses Lohnes gewürdigt zu werden, galt den Israeliten in der Zeit des Psalmendichters als ein besonderes Zeichen des göttlichen Segens. Wie diese Schätzung des Segens einer grossen Kinderschar eine allgemeine war und blieb, erhellt aus einem Satze des viele Jahrhunderte nach dem Psalmensänger lebenden Tacitus (gestorben im zweiten nachchristlichen Jahrhundert), der von den Juden, deren Freund er nicht ist, staunend sagt5): „Man ist bei ihnen eifrig bestrebt, die Volkszahl zu vermehren44. Sind aber die Kinder „ein Geschenk Gottes" und seine Geschöpfe, so musste man in ihnen von ihrer Geburt an Wesen erblicken, die in der göttlichen Weltordnung und in der Stufenreihe der 3) Wir verweisen aus der neueren Zeit auf Oehlers Arbeit über die Pädagogik des Alten Testaments in Schmidts Encyklopädie des gesamten Erzieh ungs- und Unterrichtswesens. 4) Psalm 127. 5) Augendae tarnen multitudini consulitur. Tacitus Hist. V., 5. VI