Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 178)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2580773-2580832--1578-2582377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20 Bundesgenossenschaft zu neu, als dass er nicht hätte die Treue mit Blut besiegeln müssen." Aber Wredes Anordnungen scheinen von ganz andern Voraussetzungen ausgegangen zu sein Er glaubte, was er wünschte, nahm den ihm ja auch gemeldeten Rechtsabmarsch Napoleons als sicher an und hoffte es nur mit einer grösseren Heeresabteilung zu tun zu haben. Diese gefangen zu nehmen, das war das Ziel, das er sich steckte. Dies geht unzweifelhaft aus seinen Befehlen vom 30. an Rechberg und Pappenheim hervor,52) Ersterer wird von Offenbach nach Frankfurt, wohin er selbst morgen nachzurücken gedenkt, abcommandirt, von wo er gegen feindliche Abteilungen, die etwa von Mainz heranrückten, das Niddaufer decken soll; Pappenheim soll sich „bestmöglich* halten, „damit der Kommandierende (Wrede) das nach Angabe mehrerer Rapporte nur aus einem Teile der grossen Armee bestehen sollende feindliche Korps durch Manövrieren umgehen und womöglich gefangen nehmen könne.u In diesem Glauben hatte Wrede auch bei Hanau seine Anordnungen getroffen,53) Freilich ist auch dann nicht aufgeklärt, weshalb er nicht schon bei Gelnhausen diese vermeintliche Kolonne aufzuhalten suchte, es müsste denn sein, dass er sie so leichter und vollständiger gefangen zu nehmen hoffte. Napoleon aber selbst die Stirne zu bieten, ihn mit seinem immer noch grossen und tapferen Heere aufzuhalten, das hat Wrede wohl nie vorgehabt. Das beweist auch seine entschlossene Äusserung: „Jetzt ist nichts mehr zu ändern, wir müssen als brave Soldaten unsere Pflicht tun/'5) Denn ausweichen konnte er nun nicht mehr; das würde Baierns Stellung zu sehr dem Verdachte der Zweideutigkeit ausgesetzt haben. Das fühlte auch der bairische Patriot, und das war auch gar nicht dem Charakter 52) Heilmann a. a. O. S. 282. 53) Südenhorst S. 429 meint, aus Sorge für seinen Rückzug habe sich Wrede für die Stellung bei Hanau entschieden. 54) Der gewaltige Eindruck, den das „plötzliche" Erscheinen Napoleons auf Wrede machte, zittert noch in seiner Äusserung in Paris nach, wo er zum Grafen Merci-Argenteau sagte: „Je ne serai pas sincere, si je ne vous faisais pas l'aveu de l'effet que produisirent sur moi la vue de cette vieille garde dont je connais bien la valeur, et le sentiment de la nouvelle position, dans laquelle je me trouvais vis-ä-vis de l'Empereur." Revue contemporaire 15. Juni 1869. V