Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
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43 Diese Beispiele mögen genügen, um anzudeuten, wie die äusseren Lebensbedingungen umgestaltend auf den Pflanzenorganismus einwirken, und wie durch diese Einwirkung ein harmonisches Verhältnis zwischen ihnen und dem morphologischen und anatomischen Bau des Pflanzenkörpers herbeigeführt wird. Wenn nun, wie viele Beobachtungen zeigen, verwandte Arten unter dem Einfluss verschiedener Lebensbedingungen ein sehr ungleiches Aussehen annehmen, so wird die Folgerung gerechtfertigt sein, dass dort, wo bei verwandtschaftlich stark divergierenden Pflanzen Ähnlichkeit im Habitus und der Form der vegetativen Organe vorliegt, gleiche äussere Lebensbedingungen es waren, die diese Ähnlichkeit bewirkt haben. Dass solche morphologische Annäherung nicht im Laufe einer Generation stattgefunden hat, ist selbstverständlich, aber sie konnte erfolgen, wenn für die Umwandlung viele Generationen und lange Zeiträume gegeben waren. Pflanzen, bei denen sich die neu gewonnenen Formen einmal befestigt haben, werden dann auch im stände sein, diese unter veränderten Bedingungen auszubilden. Und dass dieses Vermögen den Pflanzen längere Zeit erhalten bleibt, wird durch die Beobachtung an verwilderten Kulturgewächsen genügend bestätigt. Die Pflanzen werden also in vielen Fällen ihre veränderte Form so lange bewahren, bis für sie wieder ähnliche Bedingungen eintreten, welche die Anregung zur ursprünglichen Formenveränderung gegeben haben. Und überall, auch auf einem beschränkten Gebiete wie einer Wiese, eines Feldes oder einer Waldfläche ist die Möglichkeit gegeben, dass die formwandelnden Kräfte in ihrer Gesamtheit, wenn auch in geringerem Grade vielleicht, als früher wieder in Wirksamkeit treten. Unterschiede der Erwärmung und Beleuchtung, sowie des physikalischen Zustandes des Bodens sind selbst auf Flächen kleineren Umfanges häufig in grosser Mannigfaltigkeit vorhanden, so dass die eigentümlichen Lebensbedingungen, unter denen die Umbildung der Organe ursprünglich stattgefunden hat, wenigstens annähernd wieder herbeigeführt werden können. Eine exakte Erklärung der Ähnlichkeit bei divergierender Verwandtschaft ist nicht möglich; aber wir sind berechtigt, den Einfluss der gleichen äusseren Lebensbedingungen in den meisten IV