Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 155)
- Language
- German
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42 stattlichen Bäume machen verkrüppelten, stark verästelten Formen Platz, die Sträucher nehmen eine niedrige, gedrungene Gestalt an, die Kräuter werden klein und schmächtig, und ihre unteren Laubblätter gruppieren sich, wie bei vielen Primeln, Kreuzblütern, Enzian-, Steinbrech- und Hahnenfussgewächsen in Form von Rosetten, die dem Boden dicht anliegen. Die wesentliche Ursache für diese Erscheinungen wird in jenem Umstände zu suchen sein, dass im Hochgebirge der Boden weit mehr Wärme aufsaugt, als die sehr dünne und dunstfreie Luft, und dass die Pflanzen daher gezwungen sind, sich dem Boden anzuschmiegen, und die Wärmequelle möglichst auszunützen. In zweiter Linie werden auch die oft heftigen Winde dahin wirken, dass Bäume, Sträucher und Kräuter in hohen Gebirgslagen niedrig bleiben, um der Wucht des Windes nur kurze Hebel zu bieten. Bei manchen Arten wird die zwergförmige Gestalt auch infolge der geringen Nahrungsflüssigkeit, die der steinige Boden bietet, entstanden sein. Wie der Stengel und die Verzweigung, so zeigen auch die Blätter der Hochgebirgspflanzen meist eine besondere Ausbildung. Viele Sträucher wie die Alpenrosen, die Azalea und die Stechpalme, das doldenblütige Wintergrün und die Alpen-Heide sind mit derben, lederartigen Blättern ausgerüstet, die nur eine langsame Verdunstung zulassen, und die durch die dicke Kutikula vor der Winterkälte geschützt sind. Und die trockenblätterigen Gnaphalium-Arten, zu denen das schöne Edelweiss gehört, besitzen in der dichten Behaarung einen guten Schutz gegen Kälte und starke Verdunstung. Manche Alpenkräuter unterscheiden sich in auffallender Weise von den ihnen verwandten Arten, welche der Ebene angehören, und haben zum Teil mit Pflanzen Ähnlichkeit, denen sie verwandtschaftlich ganz fern stehen. Die nelkenblumigen Moehringien und Alsineen bilden in den Alpen dichte Basen und gleichen zarten Gräsern, und die primelartigen Pflanzen Androsace helvetica und glacialis erinnern in ihrem Aussehen mehr an Astmoose, als an Primeln. IV