Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
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18 Die nahe Verwandtschaft der Geissblattpflanzen, welche im Bau der Blüten, der Fruchtanlage und der Samen zum Ausdruck kommt, steht vielfach im Gegensatz zu der äusseren Erscheinung, welche durch die Form und Ausbildung der vegetativen Organe hervorgebracht wird. Das gemeine Geissblatt und der schwarze Holunder, welche an Waldrändern und in Hecken häufig nebeneinander wachsen, machen selbst zur Blütezeit einen so verschiedenen Eindruck, dass man sie für Pflanzen ganz entfernt stehender Familien hält. Ebenso gross ist der Unterschied zwischen der in den norddeutschen Wäldern nicht selten vorkommenden Linnaea borealis und der aus Nordamerika stammenden und in unseren Gärten angepflanzten Schneebeere, obgleich beide nach ihrer Fruchtbildung zu derselben Gattung gehören. Die Schneebeere ist in ihrem ganzen Habitus der Heckenkirsche ähnlich, während die Linnaea nach ihrem kriechenden Stengel und den rundlichen Blättern mehr an die lippenblumige Gundelrebe, als an eine Geissblattpflanze erinnert. Und das kleine Bisamkraut gleicht nach seinen dreiteiligen Wurzelblättern und den gegenständigen, dreiteiligen Hüllblättern weit mehr der zu den Ranunkulaceen gehörenden Busch- Anemone, als irgend einem Mitgliede der Familie, zu der die kleine Blume verwandtschaftlich doch hinzugerechnet werden muss. Die Familie der Primelgewächse umfasst ebenso, wie die der Rosen- und Geissblattpflanzen, viele Arten, die in ihrem Habitus grundverschieden sind, obgleich sie nach den Blüten, Früchten und Samen eine grosse Übereinstimmung zeigen. Alle Arten haben regelmässige, sympetäle Blüten, deren Karpelle zu einem einfächerigen Fruchtknoten verwachsen sind. In diesem entstehen an einer freien, centralen Placenta die Samen, welche schildförmig sind und einen geraden Keimling und ein fleischiges oder hornartiges Endosperm enthalten. Trotz dieser nahen Verwandtschaft haben die Primelgewächse ein sehr ungleiches Aussehen. Von der als Grundform geltenden Gattung Primula, welche durch die einfachen, wurzelständigen Blätter und die auf einem langen Schaft stehende Blütendolde gekennzeichnet ist, weichen die meisten Arten ganz erheblich ab. Das Alpenglöcklein und das mit diesem sehr ähnliche Alpenveilchen, deren Blüten einzeln auf langen Stielen aus dem Wurzelstock hervorwachsen, erschei- IV