Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
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4 bei war ihm einfache Ungezwungenheit des Sinnes das Kriterium der Wahrheit, Um aber die Bedeutung des Bibelwortes richtig zu erfassen, studierte er, abweichend von den zeitgenössischen Gelehrten, mit vielem Eifer die hebräische Grammatik* Zur weiteren Enthüllung der nackten Wahrheit auf diesem Gebiete verhalf ihm nicht wenig das eindringende Studium der vortalmudiscben Literatur und des palästinensischen Talmuds (^ttflT), das nach seiner Meinung von seinen Vorgängern nicht eingehend genug berücksichtigt worden war. So durchwanderteer mit stets offenem kritischen Blick die weiten Gefilde von Sifra, Sifre, Mechilta und Tossefta. Das Bibelwort selbst aber war ihm über jede kritische Forschung erhaben, denn als göttlichen Ursprungs liegt es für ihn jenseits alles menschlichen Erreichens. Würde aber die Bibel der Forschung unterworfen, so würde sie den Charakter des Ewig-Unabänderlichen einbüssen und ihren Inhalt wechseln, wie der Mensch seine Meinungen* Darum liebte Eliah auch die Philosophie im allgemeinen nicht, auch dann nicht, wenn sie im Dienste der Gläubigkeit angewandt wurde. Es hat ja auch in der Tat keinen rechten Sinn, die Bibel (min) mit der Philosophie in Einklang bringen zu wollen, wie dies zu allen Zeiten versucht worden ist, — wir erinnern nur an Philo und den Neuplatonismus, sowie Maimonides und die aristotelische Philosophie —, denn unsere Bibel ist weder Philosophie noch Theosophie, sondern ein Lebensgesetz, das für den Juden jeden Moment des menschlichen Lebens unter das Gesetz stellt, weshalb denn auch die Tat für sie den Angelpunkt der Überzeugung bildet. Wenn aber Graetz (Geschichte der Juden Bd. XI S. 121) Eliahs Begeisterung für die Kabbala „eine Schattenseite seines Wesens" nennt, so übersieht er, dass Quelle der Kabbala die wörtlich nicht erfassbaren Partieen eben jenes Bibelwortes sind, also eben jenes rocher de bronze, der für den Wilnaer Gaon in allen Stücken verbindlich ist. Befangenheit kann ihm daraus nicht zum Vorwurfe gemacht werden, am allerwenigsten hat Graetz das Recht von einer „Affenliebe zur Kabbala" bei Eliah zu reden. Das Studium der Kabbala gehörte vielmehr zur allseitig umfassenden Durchdringung des Bibelwortes. Ein blosser Ausfluss dieser tief ausgreifenden Gründlichkeit seines Studiums war es, wenn er sich auch in denjenigen Hilfswissenschaften umsah, deren Elemente zum Verständnis einschlä- III