Mannheim
Compact Memory

Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1903-01-01 · 1903 · page 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1903
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 83)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2580773-2580832--1483-2582282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

27 Haben wir in den bisherigen Abschnitten die pädagogischen Grundsätze S. E. Hirschs zu schildern versucht, so müssen wir noch zwei Einwendungen begegnen, die man vielleicht machen könnte. Den ersten Einwand könnte man vielleicht mit S. K. Hirschs eigenen Worten erheben, da er ja nicht einmal, sondern fast in jeder seiner zahlreichen Schriften pädagogischen Inhalts, darauf hinweist, dass es die Anschauungen der Bibel oder der Geistesheroen der nachbiblischen jüdischen Litteratur sind, auf denen er fusst, und von denen er ausgeht, so dass also im Vorhergehenden eigentlich mehr eine Pädagogik des Judentums als eine nach seinem Namen zu benennende gegeben wäre. In gewissem Sinne sei das zugegeben, aber es ist dann eben eine Pädagogik, die er, ausgehend von alt-jüdischen Anschauungen und Prinzipien, neugeschaffen hat, indem er die alten Grundsätze in ihrem tiefsten Gehalte erfasste und dadurch zeigte, dass sie zwar alt aber nicht veraltet sind, und dass ihr Wert und ihre Bedeutung den Wechsel der Zeiten überdauert haben und überleben werden. Gerade weil die Thora, die Lehre des jüdischen Lebensgesetzes, nicht als eine „menschliche Theologie % sondern als eine „göttliche Anthropologie" begriffen sein will, weil sie also nicht „Wissenschaft" als solche ist, sondern sich nur der „Wissenschaften" als Hilfsmittel bedient, durch die der Mensch zum rechten, vollen Verständnis der ihm gestellten Aufgaben gelangen soll, kann sie keine Wandlung mit den Zeiten durchmachen, und ihre Grundsätze müssen noch heute so verwendbar sein, wie ehedem. Welcher Art die Verbindung von „thorah im derech erez", zwischen jüdisch-religiöser und allgemein humaner Bildung einerseits und jüdisch-religiösem und sozialem Leben anderseits in unsrer Gegenwart sein müsse, wie beide sich jetzt noch zu ergänzen haben, auf welche Weise die Erziehung conseguent vorgehen soll, um das Band, das beide umschlingt, zu einem unlöslichen zu machen, das gezeigt zu haben ist das unsterbliche Verdienst S. K. Hirschs, das uns gestattet, von seiner Pädagogik zu reden. Weil aber das Judentum, — oder besser gesagt die Thora — nicht so sehr zum Glauben als zur Pflichttreue erziehen will, und weil Pflichttreue in jedem Kreise dieselbe ist, welcher Aufgabe gegenüber sie auch ausgeübt wird, darum sind die pädagogischen Grundsätze des Judentums nicht für die Bildung und Erziehung von Juden II

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.