Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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23 discher Verhältnisse, der Stellung des Menschen auf Erden und seiner Lebensentfaltung in irdischen Dingen" befasst. Das System des jüdischen Gesetzes ist aber *) „weniger eine menschliche Theologie, als eine göttliche Anthropologie", in ihm handelt es sich nicht „um ein Tradieren und Dahinnehmen auf Treu und Glauben, sondern es wird stets in erster Linie gefordert, dass jeder befähigt sei, selbst aus der.Quelle zu schöpfen, sein eigner Hierophant, sein eigner Führer zum Heiligtum und im Heiligtum, sein eigner Lehrer aus der allen gemeinsam gegebenen Lehre zu werden"; daher würde die Aufgabe, seine Kenntnis zu vermitteln, ohne Kenntnis der Sprache, in der es überliefert ist, schwieriger und fast unmöglich werden. Gänzlich unmöglich ist es aber, sie zu lösen, da es sich doch auch um den Geist handelt, der es durchweht, um die Anschauungen der grossen und edlen Vorfahren, die in den auf uns gekommenen Schätzen der Literatur zu Tage treten. **) „Nur in der Sprache vererben sich ja die Gefühle, und nur in dem eigenen, frischen, durch keine Übertragung geknickten Worte, in welches ein Geist seine Gedanken gekleidet, in welchem ein Herz seine Gefühle hinausgesungen, entzündet sich der Geist am Geiste, erwärmt sich das Herz am Herzen." Die Frage, ob es denn möglich sei, sich jüdischen Geist und jüdischen Sinn, jüdische Lebensanschauung und jüdisches Herz zu wahren und doch für vaterländische Interessen und für die Lösung nationaler Aufgaben einzustehen, beantwortet S. K. Hirsch allgemein dahin, dass es nicht nur möglich ist, beides zu vereinen, sondern dass erst durch die Vereinigung eine rechte Lösung der Bürgerpflichten zustande komme. ***) „Ist ja siebenfarbig der Schmelz, aus dem der helle, reine Lichtstrahl sich webt, ist es ja nicht Eintönigkeit und Einförmigkeit, ist es ja die höchste Mannigfaltigkeit, aus welcher die Harmonie Einheit in Tönen und Formen gestaltet, und nur aus dem ganzen Reichtum der mannigfachen Menschen- und Völkerindividualitäten, aus dem reinen Beitrag jeder nationalen Begabung zu dem grossen Symposion der Völker erbaut sich das Heil der Nationen und der Menschheit". Darum also müssen jüdische Bürger „im Vollbewusstsein des Bandes, das sie als echte Söhne mit Begeisterung und Hingebung *) Ibid. **) Ibid. S. 6. ***) Ibid. II