Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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22 wäre, „nicht Juden und doch Menschen", sondern „Juden und dadurch Menschen" in des Wortes wahrer Bedeutung zu werden. Das gab uns das Recht, die Wege, die er für Erreichung dieses Zieles vorgezeichnet hat, zu verallgemeinern. Anderseits lässt es aber auch das verstehen, was er speciell für die Bildung eines jüdischen Kindes und für seine Erziehung verlangt, und was er mit der Gründung der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. bezweckte und zu erreichen suchte. Für jeden Juden, dem das Leben nicht zerklüftet ist, der nicht *) „Gott gern einmal einen Besuch in seinem Hause abstattet, sich aber den Besuch Gottes in seinem Hause verbitten möchte", der vielmehr sein Haus als die eigentliche Stätte der Gottesverehrung betrachtet, ist das ganze Leben eine ununterbrochene Kette religiöser Pflichterfüllungen, und es giebt weder eine sittliche Menschenpflicht, die sich nicht unter diese Kategorie unterordnet, noch lässt sich im sinnlich-körperlichen Leben etwas finden, das nicht aus diesem Grunde die höhere Weihe der sittlichen Pflichttat erhalten könnte und müsste. Das Gesetz der Thora umfasst und regelt eben alle Regungen des Geistes nicht minder, als alle sinnlich-körperlichen Triebe. Schon an sich ist es nun wünschenswert, dass der Geist, von dem das Schrifttum des Judentums durchweht ist, und der Inhalt dieser Literatur einem jeden zugänglich gemacht wird, — weil ebenso, wie es von der Literatur jeden Volkes gilt, dass ihre Kenntnis das Band zwischen Menschen und Menschen enger knüpft, auch die Kenntnis des Judentums aufklärend, Menschen einander näher bringend wirken würde. Dann ist es aber dem Juden eine doppelte Notwendigkeit, sich mit dem Gesetze seiner Väter und ihren Anschauungen völlig vertraut zu machen, und er kann diese Kenntnis nicht ohne Beschäftigung mit der Sprache seiner Ahnen in rechter Weise gewinnen. Es wäre das vielleicht möglich, wenn es sich um ein Glaubensbekenntnis handelte, das man in seinen wesentlichen Hauptsätzen zusammenfassen und lehren könnte, weil es **)„ Sätze des Glaubens von himmlischen Dingen, transcendentale Wahrheiten enthält, und sich weniger mit einem Begreifen menschlicher, ir- *) Pentateuch-Commentar Genesis. Kap. 28, V. 21. **) Programm 1866. S. 4. U