Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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21 doch nicht gerade in der Zeit der Pflicht, in der Zeit, wo eben darum die Pflicht, die ernste, ihm auferlegt ist, weil nun mächtiger das Tier in ihm erwacht, auf dass es kämpfe den Kampf zwischen Tier und Pflicht und aus diesem Kampf siegreich als Mann hervorgehet Bis weit in die Jünglingsjalire hinein — am besten bis zum 24. Jahre — sollen die Eltern den Kindern die ernsteste Leitung angedeihen lassen, indem sie so seine Bildung leiten, wie es oben ausgeführt ist, und indem sie es üben in dem Kampfe, den es gegen die Sinnlichkeit, den Leichtsinn, gegen böses Beispiel, Reiz und Verführung zu bestehen hat. Natürlich wird mit den Jahren des gereiften Verstandes die Stellung der Eltern zu den Kindern eine andere werden müssen. War es bisher das Verhältnis des vernünftigen Denkens und AVollens zu dem noch unentwickelten Verstände und dem unverständigen Begehren, in dem sie sich gegenüberstanden, so wird jetzt durch die geistige Annäherung des Kindes an die Stufe der Eltern ein Verhältnis der Freundschaft zu schalten sein, welches das Band zwischen Eltern und Kindern noch fester knüpft, als es gewesen. Nur dann wird das Leben des Sohnes und der Tochter offen, wie in den Kinderjahren, vor dem Auge des Vaters und der Mutter darliegen, und nur dann wird sich das Herz der Kinder fest an das der Eltern ketten. *) „Dann lasset sie getrost hinaustreten zur Wanderung in die Perne. Über Berge und Täler, über Länder und Meere tragen sie Euer freundlich-ernstes Bild im Herzen, und in der Stunde der Verführung tritt, wie einst dem Joseph, euer Bild ihnen mahnend entgegen, und wird ihnen ein rettender Schutzengel, dass sie — euer würdig — nicht sinken". Haben wir bisher die allgemeinen Gedanken zu abstrahieren gesucht, die den von S. R. Hirsch aufgestellten Prinzipien der Erziehung und Bildung der Jugend zu Grunde liegen, so wird es doch notwendig sein, auch auf das Spezielle seines Lebenswerkes wenigstens in etwas einzugehen, um seine Anschauungen recht zu würdigen. An der Spitze jüdischer Gemeinden stehend, hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Glaubensgenossen zu Juden zu erziehen, denen dieser Name nicht nur eine Bezeichnung für ihre Abstammung bedeutete, sondern auch ein Ansporn für ein dem Gesetze und dem Geiste der Väter entsprechendes Leben *) Ibid. II