Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
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26 Zweige abknicken und verderbendes Gewürm zerstören. Allein es ist nur der täglich still fallende Tau, der mildrieselnde Regen, die heiter scheinende Sonne, die überall die schlummernden Keime zu Kraft und Leben wecken —, und es ist nur der milde Ernst und die heitere Liebe, welche die Kindesseele zur geistigen, sittlichen Entfaltung bringen". Aus den genannten beiden resultiert die dritte Vorbedingung für einen guten Erfolg, dass die Eltern im Verkehr mit ihren Kindern „die Kunst des Vergessens" erlernen. Wollten sie immer auf vergangene Fehler zurückgreifen, auch wenn es dem Kinde in gleicher Lage vielleicht schon gelungen ist, dieselben zu vermeiden, so würden sie ihm nur Mut und Hoffnung rauben, ebenso wenn sie selbst Mut und Hoffnung verlieren würden. Darum *) ,.sei das Gestern nimmer für uns da, jeder frische Morgen führe uns ihnen (den Kindern) mit frischer Hoffnung entgegen, dass heute das sittliche Morgenrot da anbreche, wo uns gestern mitternächtliches Dunkel geschreckt". 80 schöpfen wir als Erzieher „aus dem Leben der Zukunft alle unsere Hoffnungen und Erfolge". Sind diese Vorbedingungen erfüllt, so wird das Beispiel der Eltern das wirksamste Mittel für die Anleitung der Kinder zu treuer Pflichterfüllung auf jedem Gebiete werden. Sehen sie den heiligen Eifer der Eltern, mit welchem diese ihren Aufgaben obliegen, sei es auf welchem Gebiet es wolle, so wird es meist des Wortes kaum bedürfen, sie zu gleicher Pflichttreue zu ermuntern, sie werden sicher und gern folgen, wenn die Eltern würdig und ernst voranschreiten. Darum **) „glücklich das Kind, an dessen Wiege Vater und Mutter die oft wachen nächtlichen Stunden seiner ersten Lebensjahre zum stillen, ernsten Einblick in das eigene Innere und zum schleierlosen Überblick über das eigene Walten und Streben benutzen, um aus dem eigenen Leben erst jeden Fehler, jede Schwäche, jedes Unwahre, Unedle, alles an Unwahres und Unedeles Grenzende zu löschen, auf dass ihr Kind, wenn es zum Bewusstsein erwacht, in Eltern-Wort und -Handlung nur den reinen Spiegel des Nachahmenswerten erblickt". ***)„Wie du aber früh, ehe die Zeit der Pflicht da ist, diese Leitung und Übung deines Kindes beginnst, 0, so verlasse es *) Ibid. S. 26. **) Progr. 1865. S. 21. ***) Choreb Kap 84 § 555- II