Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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19 geleitet und weise umschränkt, dem Guten dienen könnte und der entwickelnden Pflege würdig wäre", und demgemäss sind die an das Kind zu stellenden Aufgaben zu wählen. „Wohlan, lasst uns den Eigensinn in Charakterfestigkeit, die Dreistigkeit in Mut, die Ehrsucht in Ehrliebe, die Heftigkeit in Eifer, die Trägheit in Geduld, die Lüge in Dichtung, das Stehlen in Gewandheit umwandeln und gleichzeitig alle die jenen Ausschreitungen entgegengesetzten Tugenden des Gehorsams, der Besonnenheit, des Fleisses, der Wahrhaftigkeit, der Bechtschaffenheit dergestalt bei unseren Zöglingen zu pflegen bemüht sein, dass diese zugleich, als Grenzwächter der Scheidelinie zwischen dem sittlich Löblichen und dem tadelnswert Schlechten, unseren Bemühungen, alle jene Anlagen in die Schranken des Guten und Heilsamen zurückzuweisen, mächtig zu Hilfe kommen"! Vorbedingung für die Erreichung dieses Zieles ist zunächst *) „der unverwüstliche Glaube an einen bei jedem vorhandenen sittlichen Grund, an eine für jeden vorhandene Veredelungsfähigkeit bis zur höchsten Vollendung. Wir sollten uns wohl hüten diesen Glauben in uns, vor allem uns hüten, ihn in unseren Zöglingen zu erschüttern". So wichtig es ist, dass sie es erkennen, wenn sie Unrecht getan, so wichtig ist es — und noch viel wichtiger — dass sie sich das Bewusstsein wahren, dass eine Umkehr möglich ist. „„Du bist ein Taugenichts", „du bist ein Lügner", „du bist ein Dieb" sind gefährliche Wrorte, die — wiederholt gebraucht — schon manchen zum Taugenichts, zum Lügner machen könnten. „Da hast du wie ein Taugenichts gehandelt", „da hast du gelogen", „da hast" oder „da hättest du ja gestohlen" wirkt ganz anders, und „da hättest du ja wie ein Taugenichts gehandelt" enthält schon in dem Vorwurf den mächtigsten Sporn zu künftigem, besseren Verhalten". Eine weitere Vorbedingung, die von der ersten in gewissem Sinne involviert wird, ist die unermüdliche, nie zu vertilgende Liebe, von der das Erziehungsgeschäft durchdrungen sein muss, wenn seine Kunst gelingen soll. **)„ Strenge und Härte sind nur die periodisch notwendigen und heilsam rauhen Seiten der erziehenden Witterungsatmosphäre. Es sind die Stürme und Eegenstürze, die welke, unnütze hindernde *) Ibid. S. 21. **) Ibid. S. 22. II