Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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18 sind die notwendigen Kenntnisse, die sich ein jeder zu eigen machen muss, um für das Leben gerüstet zu sein, die hier verlangt werden. Wenn aber auch die eine Schulgattung diesen, die andere jenen Zweig der Wissenschaft ihrem Lehrplan einreiht oder ihn weiter ausdehnt, so betont er ausdrücklich, dass damit nicht eine besondere Ausbildung für einen besonderen Beruf geschaffen werden darf, sondern will stets bedacht haben, dass jede Erweiterung der Erkenntnis für jeden Stand eine segenbringende ist, und weist mit Entschiedenheit die „Phrase" von einem über seinen Stand Gebildetsein zurück. Kehren wir nun zu der Aufgabe der Erziehung im engeren Sinne, die, wie bemerkt, vornehmlich in der Hand der Eltern zu liegen hat, zurück, so ergibt sich für diese Jahre eigentlich für sie weder eine an sich neue Aufgabe, noch ein anderer Weg zu ihrer Lösung; es ist immer ein Üben, welches die Gewöhnung der ersten Kinderjahre fortsetzt, nur werden mit jeder neu gewonnenen Erkenntnis und mit jeder Erweiterung des Gesichtskreises sowohl als des Verkehrkreises die Übungen grössere und schwerere. „Chanauch lannaar al pi darko, erziehe den Knaben nach Massgabe seines Weges" ist auch jetzt noch die erste zu beachtende Regel, aber es sind beim Erziehungsgeschäfte mehr die inneren individuellen Anlagen und Eigenschaften des Kindes, die von Fall zu Fall die A r t der Übung bestimmen, als die äusseren seinen Lebensweg begleitenden Umstände. Und zwar ist es jede Anlage, die durch die Übung in der Erfüllung aufgetragener sittlicher Pflichten ihre Stellung in dem Gesamtbild eines sittlichen Charakters erhalten soll. Nicht nur dass die im gewöhnlichen Leben mit dem Namen guter Eigenschaften bezeichneten Eigentümlichkeiten des Kindes entwickelt und durch fortgesetzte Übung gestärkt werden müssen, sondern auch die Anlagen, die man gemeiniglich als schlechte bezeichnet, bedürfen einer besonders aufmerksamen Pflege, ohne dass sie etwa gänzlich unterdrückt und ausgewurzelt werden sollen. Keine Anlage und Eigenschaft ist ja an sich gut oder schlecht, die Anwendung nur kann es sein. Also gilt es, *)„in jeder Neigung und Anlage des Kindes die Seite zu erspähen, mit welcher auch sie, richtig *) Je^churun 1863. Pädagogische Plaudereien. S 25. II