Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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16 Reflektion zu machen, aus dem Besonderen durch Abstraktion allgemeine Begriffe zu bilden u. s. w., d. h. also, „die Fähigkeit synthetisch aufzunehmen und festzuhalten ist viel allgemeiner verbreitet, als die Kraft des Denkens, die Fähigkeit analytisch aufzulösen". Dazu kommt, dass die Entwickelung der Denkkraft erst dann zur Blüte gelangt, wenn das Gedächtnis bereits seinen Höhepunkt erreicht oder gar überschritten hat. Daraus ergibt sich demnach, dass wahrscheinlich bei jeder gegebenen Anzahl von Schülern im jugendlichen Alter sich eine grössere durchschnittliche Gleichheit hinsichtlich des Gedächtnisses als hinsichtlich des in Entwickelung befindlichen Denkvermögens finden wird, und diese Tatsache dürfte „derjenigen Methode, die bemüht ist, von jeder zu lehrenden Disziplin zuerst die wichtigsten Tatsachen in präziser und prägnanter umschreibender Kürze synthetisch zu tradieren und dann erst das in seinen Grundzügen und Umrissen bereits angeeignete in mehreren Lehrgängen innerhalb eines Kurses immer mehr analytisch zu erläutern und zu vervollständigen, namentlich für den Klassenunterricht, aus sehr wertvollen Gründen das Wort reden". Es wird dabei nicht vergessen, dass das erst wahrhaft unser Eigentum geworden, was sich durch Denken in der Reihe der Begriffe eingeordnet hat und in Grund und Zusammenhang erkannt ist, aber da doch bei dieser geistigen Anordnung eine Gleichzeitigkeit so wie so nicht erreicht wird, so hat man auf obigem Wege den Vorteil erlangt, dass „alle oder doch fast alle die wesentlichsten Grundlagen als entwickelungsfähige Keime zu dauerndem Eigentum in sich aufgenommen haben." Allerdings wird der weniger Begabte erst aiif einer späteren Stufe zur vollendeten klaren Erkenntnis kommen, dafür darf man aber desto beruhigter und gewisser der Erreichung dieses Zieles, wenn auch erst in einer späteren Klasse, entgegensehen, so bald nur der Unterricht auf allen Stufen eine organische Einheit bildet, und jeder Fortschritt sich als eine Vertiefung und Erweiterung des Früheren erweist. Derart gestaltet sich die Rüstungsaufgabe der Jugend zur Zeit ihres Schulbesuchs. Ausser durch die immanenten Übungen in der Erfüllung sittlicher Pflichten, welche in dieser Rüstung enthalten sind, hat die Schule, wie erwähnt, nicht die Aufgabe, sich der Erziehung II