Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2580773-2580832--1456-2582255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 getan, alles, was er gedacht, alles, was er gesprochen oder geschrieben hat. Und wenn dieses von ihm als das höchste betrachtete Ziel die Erziehung der Menschheit für die ihr von Gott gegebene Bestimmung ist, so dürfen wir annehmen, dass gerade in seiner Tätigkeit als Erzieher und Bildner der Jugend, der Zukunft des Menschengeschlechts, sich sein Wesen am besten wiederspiegelt, und wir dürfen es wagen, diese Seite seines erfolgreichen Wirkens herauszugreifen und zu versuchen, seine Ansichten über Erziehung und Bildung der Jugend, wie sie uns in seinen Schöpfungen und in seinen Schriften entgegentreten, darzulegen. So gewiss das von allen Pädagogen angestrebte Ziel sich durch die Worte zusammenfassen lässt, dass es gilt, den Menschen zum Menschen zu erziehen, so gewiss ist es auch, dass es dem einen anders erscheinen wird, als dem andern, sobald es genauer und schärfer präzisiert werden soll. Für Samson R. Hirsch ist der rechte Mensch derjenige, der die Herrschaft über sein Ich mit allen den ihm innewohnenden Kräften in höchstem Masse besitzt, und in dem das Bewusstsein um seine sittliche Pflicht so stark ist, dass es sein Berater bei jedem Schritte, bei jeder Handlung und schon bei jeder Willensregung, sein kann. *) „Ist das Ideal des Sittlichen", so sagt er, „etwas Anderes, als jene Virtuosität, die mit ewig wacher Energie ausnahmslos alle Kräfte, Fähigkeiten, Anlagen, Bestrebungen, ja Neigungen und Triebe und Begierden des * eigenen Wesens im Zügel hält, keine die scharfe Grenze des Reinen und Gerechten überschreiten, keine hinwiederum verkümmern lässt, vielmehr alle zur Verwirklichung der mannigfachen Zwecke des Edlen und Guten verwendet, die durch die Bestimmung des Menschen als Strebeziel seines ganzen Daseins gesteckt sind." „Es ist nur ein Begriff41, heisst es an einer anderen Stelle, **) „in welchem diese Anschauung den Seraph an Gottes Thron und die Mücke im Sonnenstrahl und neben beiden, ja hoch über beiden das zur freien Entfaltung berufene Menschenleben in allen seinen Beziehungen umfasst, es ist dies *) Progr. 1865. Einige Andeutungen über die Benutzung der ersten Lebensjahre zur Erziehung. Seite 7. **) Progr. 1868. Von der Pflege des sittlichen Momentes in der Schule Seite 10. II