Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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— 27 — Reifeprüfung zu Ostern fand am 5., 6., 7. und 8» Februar statt> die mündliche unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrats Dr. Paekler am 14. März. Von den 27 zur Prüfung zugelassenen Schülern konnte 25 das Zeugnis der Reife zuerkannt werden, davon 15 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. Der Verwaltung des Zoologischen Gartens sind wir zu verbindlichem Danke dafür verpflichtet, dass sie unseren Lehrern der Naturkunde sowie derjenigen Fächer, denen aus dem Besuche des Gartens eine Förderung im Unterrichte erwachsen kann, Karten zum freien Eintritt zur Verfügung gestellt hat, ferner dem Vorstände des Physikalischen Vereins für die den Schülern unserer Prima zu einigen Vorlesungen gewährten Eintrittskarten, sowie der Handelskammer für freundliche Zusendung ihrer Veröffentlichungen. IV. Zum siebzigsten Geburtstage des Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild.*)' Wenn die Schule heute, bevor sie an die Tagesarbeit geht, einen Augenblick Halt macht, um dem Gedanken an eine besondere Bedeutung dieses Tages Raum zu geben, so gilt die Feier nicht, wie sonst, dem Herrscher, der in seiner Persönlichkeit das Vaterland repräsentiert, dessen Wirken massgebend ist für des Vaterlandes Wohl, und dessen Feier deshalb von der Gesamtheit aller Glieder des Reiches begangen wird. Aber ein Fürst ist es, dessen wir an diesem Tage feiernd gedenken, ein Fürst in dem Reiche der jüdischen Pflichttreue, ein Fürst in dem Reiche der Humanität. Enger ist freilich der Kreis, der dieses Tages Feier begeht — aber er reicht weit hinaus über die Grenzen des Vaterlandes, und aus Ost und West, aus Nord und Süd linden sie sich heute zusammen, alle in Gefühlen der Liebe und des Dankes und in innigen Segenswünschen für den edlen Mann, der, jedem Hervortreten abhold, in der Stille seines Wirkens ein Quell des Segens geworden ist für alle Glieder dieses Kreises, und der heute das siebente Jahrzehnt seines reichgesegneten Lebens vollendet. Es ist der siebzigste Geburtstag des Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild, den dieser Tag uns bringt,. An diesem Tage ziemt es gerade unserer Schule in allererster Linie, in Dankbarkeit segnend dessen zu gedenken, was wir von ihm empfangen haben. Zahllos freilich und nur ihm bekannt, dem edlen Spender, bekannt auch Ihm, dem Lohner alles Guten, sind alle jene Einzelnen, alle jene Familien, zahllos auch die gemeinnützigen Anstalten, die ihm tief verpflichtet sind, da sie seiner andauernden thatkräftigen Förderung ihre Erhaltung und ihr Gedeihen verdanken. Keine Anstalt aber, wenn wir von den rein humanitärem Werke gewidmeten absehen, verdankt seiner Hochherzigkeit so Wichtiges und Bedeutendes, und in keiner Anstalt — voll frohen Hochgefühls dürfen wir es in inniger Ueberzeugung in dieser Stunde aussprechen — trägt die ihr zugewandte Förderung so reiche und für weiteste Kreise und noch für fernste Zukunftszeiten des Judentums so bedeutungsvolle Früchte, wie in unserer Schule. Gerade das Haus, in dem sich unsere Lebensarbeit vollendet, gerade diese Stätte, in der wir versammelt sind, drängt gebieterisch zu dieser Aussprache. *) Siehe Chronik Seite 26.