Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1880
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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— 48 — nur dann ihre Wirksamkeit ausüben, wenn sie mit einander in Kontakt kommen; und ihre Aktion ist ebenfalls eine attraktive und eine repulsive. 6. Alle Veränderung, welche die Körper erleiden, bestehen in einer räumlichen Veränderung der Atome und Moleküle. Die Bewegung liegt allen Vorgängen zu Grunde; durch dieselbe ist die Gesamtheit der physikalischen und chemischen Erscheinungen bedingt. Nach der Bewegung treten relative Gleichgewichtszustände ein. Es giebt mehrere stabile Gleichgewichtslagen für die Atome in den Molekülen, wie die Erscheinung der Isomerie lehrt. Ebenso können gleichartige Moleküle in mehreren Lagen im Gleichgewichtszustande sein, wie aus den Erscheinungen der Allotropie und Polymorphie hervorgeht. Aus diesen Grundsätzen wird man nun die bekannten Erscheinungen erklären können, wenn man die sogenannten äußeren Bedingungen: Wärme, Druck, Licht und Elektricität, denen die Körper bei ihren Veränderungen unterworfen sind, zu Hilfe nimmt. Untersucht man die äußeren Bedingungen genauer, so geben auch sie sich als Bewegungserscheinungen zu erkennen, die Wärme und der Druck als eine Beweguug der Moleküle, das Licht und die Elektricität als eine Bewegung der Molekülhüllen. Aus diesem Grunde sind die äußeren Bedingungen auch so außerordentlich wirksame Mittel der Chemie; denn die Analyse und die Synthese der Verbindungen beruhen auf der räumlichen Veränderung der Atome, und eine Bewegung kann nur durch eine andere hervorgebracht werden. Da das Licht nach der gegebenen Definition nichts anderes ist, als eine Art der Bewegung der Atomhülleu, so wird die Veränderung, welche das Licht in den Salzlösungen erfährt, ihre naturgemäße Erklärung durch die Modifikationen finden, denen die Atome bei ihrer Vereinigung zu Molekülgruppen unterworfen sind. Daß die Salz- und Wasserteilchen nach ihrer Vereinigung einen kleineren Raum, als im freien Zustande einnehmen, wurde bereits gezeigt, ebenso daß die Atomkerne keine Volumveränderung erleiden können. Die Kontraktion ist demnach ausschließlich von der Formveränderung der Atomhüllen abhängig, und diese involviert, wie aus den Grundsätzen hervorgeht, eine Verminderung der Elasticität. Mit der geringeren Elasticität der Atomhüllen hängt aber unmittelbar die geringere Fortpflanzungs-Geschwindigkeit des Lichtes zusammen, die durch den größeren Brechungsindex zum Ausdruck kommt. Je größer die Anzahl der gelösten Salzmoleküle wird, um so mehr nimmt die Kontraktion zu, und in demselben Maße wird die Elasticität der Molekülhüllen vermindert. Daraus erklärt sich das Wachsen der Brechuugsindices* mit dem Prozentgehalte der Lösungen. Wenn aber durch erhöhte Temperatur die Verbindung zwischen den Salz- und Wasserteilchen gelockert und die beim Lösuugsäkte eingetretene Kontraktion zum Teil aufgehoben wird, so wächst die Größe der Elasticität der Atomhüllen, und mit ihr die Fortpflanzungs-Geschwindigkeit des Lichtes, d. h. der Brechungsindex nimmt mit der Temperaturzunahme stetig ab. Diese letzte Erscheinung kann durch das von Cauchy entwickelte Gesetz, welches den Zusammenhang zwischen Atherdichte und Geschwindigkeit des Lichtes ausdrückt, keine Erklärung finden. Denn nach diesem Gesetze müßte der Brechungsindex einer Lösung bei verschiedenen Temperaturen konstant sein, was der Beobachtung widerspricht; oder es müßten die Moleküle die Fähigkeit besitzen, bei der Temperaturerhöhung sich mit neuen Atherteilchen zu verbinden, was schwer einzusehen ist.