Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1880
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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Bei der Anwendung unserer Hypothese auf die Erscheinung der Portpflanzung des Lichtes im unendlichen Räume und im Toricelli'sehen Vacuum, sehen wir uns zu der Annahme genötigt, daß auch diese Räume von einem ponderablen, aber sehr dünnen Stoffe erfüllt seien. Im ToriceIii'sehen Vacuum werden wir sehr dünne Quecksilberdämpfe anzunehmen haben; über die Natur des den unendlichen Raum erfüllenden Stoffes läßt sich mit Bestimmtheit nichts aussagen. Die Annahme Meibauer's, *) daß die atmosphärische Luft den unendlichen Raum erfülle, scheint mir nicht genug begründet zu sein, als daß ich derselben zustimmen könnte. Die Grundsätze unserer Hypothese werden sich nicht nur auf die physikalischen Erscheinungen, sondern auch auf die chemischen Veränderungen der Körper anwenden lassen. Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die Isomerie, Allotropie und Polymorphie sich auf die oben angenommene Konstitution und Wirkungsweise der Atome, wonach mehrere Gleichgewichtslagen für dieselben Atome und Moleküle möglich sind, zurückführen lassen. So findet auch das bekannte Gesetz: »Corpora non agunt nisi fluida« seine Begründung durch diese Hypothese. Der flüssige Zustand der Körper ist deswegen eine Hauptbedingung für das Zustandekommen von chemischen Umsetzungen, weil in ihm die Atome, nachdem sie aus einer stabilen Gleichgewichtslage herausgebracht sind, nach Maßgabe ihrer größeren Selbständigkeit der Neigung, sich mit neuen Elementen zu vereinigen und neue Gleichgewichtslagen zu suchen, folgen können. Bei dem »Status nascendi« erscheinen die Elemente in Gestalt von Atomen, welche ihre ganze ursprüngliche Energie besitzen und daher eine so intensive Wirkung auf andere Elemente ausüben. Wenn wir hier, wie in den Grundsätzen stofflich verschiedene, d. h. mit eigenartiger Energie begabte Atome vorausgesetzt haben, während wir alle Vorgänge auf mechanische Veränderungen glaubten zurückführen zu müssen, so hat das darin seinen Grund, daß die Energie der Atome, wenn sie sich überhaupt als eine Funktion der mechanischen Veränderung darstellen läßt, in der Form einer verwickelten Funktion erscheinen wird, deren Auflösung uns unmöglich ist. An sich hat die Annahme, daß es nur stofflich gleichartige Atome gebe, nichts Bedenkliches, ja dieselbe würde der rein mechanischen Erklärungsweise der Erscheinungen mehr entsprechen, als die Voraussetzung von stofflich verschiedenen Atomen. ') Meibauer, Ueber die physische Beschaffenheit unseres Sonnensystems.