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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1873-01-01 · 1873 · page 21

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580784--0306-2581234
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22 hinzu, ihm die Last abzunehmen," und hierin die jüdische Lehre gegen den Herrn nur ein bedingtes, dem Thiere gegenüber aber ein absolutes Pflichtgcbot erkannte, — seitdem ein Abraham in Sonnenbrand vor seiner Hütte gesessen, um müden Wanderern Erquickung und Labung unter dem gastlichen Schatten seines Baumes zu bieten, seitdem das Herz eines Abrahams selbst sür die Schonung eines Sodom und Gomorrha zu beten verstanden und dann das Gesetz zu seinen Enkeln gesprochen: „Oeffnet, öffnet die Hand dem Armen und Dürstigen," „gebet, gebet freudig, und werdet nie müde im Geben," „verlasset die Wittwe nicht und die Waise nicht und nicht den Fremdling," „kränket Keinen und drücket Keinen, und lasset Keinen über euch zu mir aufschreien, denn ich bin barmherzig," „wandelt in meinen Wegen, seiet barmherzig und gnädig und liebevoll, wie Ich," seitdem ist Barmherzigkeit mit Allem was lebt und empfindet, ist Menschlichkeit, ist Schonung, ist lebendiges Mitgefühl ein Grundzug der jüdischen Menschenfamilie geworden, den ihr, wir glauben nicht zu irren, Freund und Feind auch von je zuerkennen. Und seitdem diese jüdische Menschenfamilie, aus ihrer Urheimath vertrieben, in die weite Welt unter alle Völker hin zerstreut wurde, hatte ihnen Gott in ihr Wanderbuch die Weisung hinein schreiben lassen: „Suchet das Wohl der Staaten, unter die ich euch führe und betet sür sie zu Gott, denn an ihr Heil ist das Eurige geknüpft," und seitdem hat der Jude nicht nur ein offenes Herz und eine offene Hand für unterschiedlose Privatwohtthätigkeit, sondern er gehört mit Herz und Hand der Stadt und dem Lande an, in welchem er von je seine Vaterstadt und sein Vaterland begrüßt, selbst in Zeiten, wo er nur noch stiesväterlich sich behandelt sah und war und ist an patriotischer Bereitwilligkeit nie der Letzte, wo die öffentliche Wohlfahrt an die Opferfrendigk.it der Stadt- und Staatsgenossen appellirt. Unter dem Einfluß dieser von dem jüdischen Gesetze gepflegten Gesinnungen und Handlungsweisen wächst die jüdische Jugend heran und lernt aus der Eltern Beispiel, Mensch und Bürger sein, in der edelsten Bedeutung des Wortes, lernt Schonung gegen Thiere, Wohlthätigkeit gegen Menschen, Opferfreudigkeit für vaterländische Zwecke aus einem Pflichtgefühle üben, das unabhängig ist von augenblicklichen Stimmungen und um so zuverlässiger ist, als es in dem Dictat seiner allgemeinen Lebensaufgabe wurzelt. Verwandt und enge damit verbunden ist die Pflege des communalen Gemeinsinnes und der Vereinsthätigkeit sür humanitäre Zwecke, Beides mit Recht ein bedeutsames Augenmerk der Gegenwart, und Beides seit je im jüdischen Kreise gekannt und gepflegt. Verständniß, Sorge, Geld und Zeit in uneigennützigster Thätigkeit den Angelegenheiten seiner Gemeinde zuzuwenden, stand von je obenan in dem Pflichtcodex des jüdischen Mannes, und die noch vorhandenen Statuten und Gemeindeordnungen vergangener Zeiten zeigen, wie rege der Gemeingeist unter den Vorfahren des gegenwärtigen jüdischen Geschlechtes gewesen, und wie jüdische Männer schon in alter Zeit unter den schwierigsten Verhältnissen es verstanden, Gemeindeangelegenheiten mit weiser Umsicht nach Billigkeit und Recht zu ordnen und einsichtsvoll und thatkräftig zur Blüthe zu bringen. Hand in Hand mit dieser Betheiligung am Gemeinwesen gingen und gehen die freien Vereinigungen für humanitäre Zwecke, die Vereinsthätigkeit für Krankenpflege, Armenunterstützung, Wittwen- und Waisenversorgung, Arm-Jugendunterricht, Ausstattung armer Bräute, Sorge ver- ') Serem. 29, 7.

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