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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1873-01-01 · 1873 · page 22

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580784--0307-2581235
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23 -H^- einigter Kräfte für die Hülfsbedürftigkeit in jeglicher Gestalt. Gemeinde- und Vereinsbestrebungen, die allein es ermöglichten, die Bekenner des Judenthums die dunkelsten Zeiten, in welchen wohl mancher andere Menschenstamm sein Grab gefunden hätte, überdauern zu lassen und der lichteren Gegenwart ein geistig und sittlich ungebrochenes Geschlecht zum ebenbürtigen Eintritt in die bürgerliche europäische Gemeinsamkeit zu überantworten. Und während so der jüdische Charakter seit Jahrhunderten zum sympathischen Anschluß und zur regsten Betheiligung an allen Bestrebungen und Anliegen der kleineren und größeren Gesammtkreise seiner Umgebung sich ausbildete, übte ihn gleichzeitig seine Stellung, gleichsam als Correktiv dieser Richtung, nicht mit jeglichem Strome zu schwimmen, und, wo es heiligen Überzeugungen gilt, wenn es sein muß, allein zu bleiben mit seinen Ueberzeugungen und den ausharrenden Mannesmuth einer dissentirenden Minorität zu bewähren. Von dem ersten Eintritt des Judenthums in die Geschichte waren seine Bekenner eine solche dissentirende Minorität der ganzen übrigen Welt gegenüber, und die gesetzestreuen Anhänger des alten Judenthums finden sich heute vielenorts mit ihren Ueberzeugungen in einer solchen Minoritätsstellung und haben ihren zeitgenössischen Brüdern gegenüber jene isolirende Ueberzeugungstreue zu üben. Unter allen diesen charakterbildendm Einflüssen wächst die jüdische Jugend heran, und auch dicse wenigen Züge dürften erkennen lassen, wie das alte Judenthum denn doch so manche Seite bietet, mit welcher es auch dem allgemeinen erziehlichen Bemühen, der Jugend eine für die Zwecke der Menschheit und des Vürgerthums ersprießliche Characterrichtung zu geben, hülfreich zur Seite tritt und so der pädagogische Werth des Judenthums sür ein, Geist und Charakter bildendes Bemühen nicht wohl zu verkennen sein möchte. Ein gerechtes Urtheil über Menschen ist schwer. Noch schwerer, wenn es ein allgemeines Urtheil über eine Gesammtheit sein soll. Am schwersten, wenn es ein Selbsturtheil, ein Urtheil über sich selbst und die eigenen Angehörigen involvirt. Nach allem Obigen sollte man vorauss'tzen, daß jüdische Schüler und Zöglinge nicht gerade zu den unfähigern und ungelehrigern, und jüdische Jünglinge und Männer nicht zu den untüchtigeren und minder wackeren zählen. Wir wären glücklich, wenn eine Statistik der Schulen und des Lebens diese Voraussetzungen nicht ganz ungerechtfertigt ließe. S. N. Hirsch.

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