Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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-M^ 20 -HS-- würde betrachtet; die auch für die Staatenbildung nicht in der Macht der Gesammtheit und nicht in der Selbstbedürftigkeit des Einzelnen, sondern in dem Pflichtbewußtsein und der Rechtsachtung Mer das einzige wahrhafte Bindemittel erkennt; eine Lehre, welche die geistige Erleuchtung und sittliche Veredlung für ein solches von Pflichtbewußtsein und Rechtsachtung getragenes Menschen- und Völkerleben als Gesammtziel aller Menschen und Völker, und alle Gänge der Geschichte nur als gottgeleitete Wege zu diesem Gesammtziele verkündet: daß eine solche Lehre in eminentem Sinne geeignet sein dürfte, die Jugend bei ihrer Einführung in die Kenntniß der Geschichte zu begleiten und sie zu einer für alles Gute und. Edle begeisternden, gegen alles sittlich Niedrige und Schlechte waffnenden, gerechten Würdigung der geschichtlich hervortretenden Erscheinungen, wie zu einer hingebungsvollen menschlichen und vaterländischen Betheiligung an allen geschichtlichen Ereignissen der Gegenwart zu befähigen. Freilich wird vor einer Anschauung der allerjüngsten Zeit, die den „Kampf um's Dasein," dieses Stichwort ihrer Deutung aller Erscheinungen des physisch-organischen Lebens, auch auf das Gebiet der Erscheinungen des individuellen Menschen- und Völkerlebens übertragen und den „Kampf um's Dasein" zum allein wirklichen und allein berechtigten Hebel aller Menschenthat und aller Völkerentwicklung erklären möchte, vor einer Anschauung, die consequenterweise die rücksichtsloseste, ihre Macht nur zu ihrem Vortheil gebrauchende Gewaltthat als Ideal der Menschengröße bewundern, sich aufopfernde Pflichtthat aber als Thorheit, ja als Verbrechen verurtheilen müßte, freilich wird vor einer solchen Anschauung auch eine unserer jüdischen Menschen- und Menschheitslehre entsprechende Geschichtsauffassung wenig Gnade finden. Allein welcher Menschenfreund wird nicht bei dem bloßen Versuch einer solchen Anschauung eine Thräne weinen, welcher Jugendbildner nicht in einem solchen Versuch seiner ganzen Aufgabe den Stab gebrochen fühlen! Wie die Gottanschauung in der Natur, so wird auch die Gottanschauung in der Geschichte durch die Institutionen gepflegt, in welche das jüdische Leben seine Jugend einführt. Alle seine Feste tragen in allererster Linie weltgeschichtlichen Charakter. Sein Sabbath ist ihm ja die älteste Institution für die Erziehung der Menschen zur Gotteserkenntniß und GotteshuldLgung, und seine Passah-, Wochen- und Hüttenfeste bekunden zunächst ja Gottes Walten als Erlöser, Gesetzgeber, Erhalter und Beglücker des Völkerlebens, sowie seine Fasttage alle die bedeutsame Mahnung stets wiederholen, daß Staat und Tempel in Trümmer gehen, wenn die Achtung des Gesetzes und die Pflichttreue aus dem Leben der Gesammtheit und der Einzelnen schwinden. Welch' einen nicht zu unterschätzenden Beitrag ferner der Unterricht in der hebräischen Sprache und Literatur zur Förderung der formalen Geistesentwickelung der Jugend zu bringen sich eignet, haben wir bereits in unserm Programm des Jahres 1866 darzustellen versucht. Nicht minder aber wie dem Geist bildenden Bemühen tritt das Judenthum auch der erziehenden Arbeit des Jugendbildners hülfreich zur Seite, und wollen wir schließlich auch einige nach dieser Richtung uns dem Judenthume mehr eigentümlich erscheinende Seiten in Betrachtung ziehen. Wenn glorreiche Erfahrungen der jüngsten Gegenwart den erfolgreichen Einfluß einer, wenn auch nur zeitlichen Unterordnung unter ein, pünktlichen, entsagungsreichen Gehorsam . forderndes Gesetz auf die gesammte Charakterbildung dem zeitgenössischen Bewußtsein in den Vordergrund zu stellen geeignet waren, so läßt sich das Judenthum -mit den praktischen