Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2580773-2580784--0301-2581229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erkenntniß, die einen so bedeutenden Rang unter den von jeder wahren Jugendbildung anzustrebenden Zielen einzunehmen berechtigt ist. Ist doch das Judenthnm ganz eigentlich eine weltgeschichtliche Institution. In der Entwickelung der Menschheit ist ihm der Boden seines Ursprungs gewiesen, ein von der EntWickelung der Gesammtmenschheit zu erreichendes Ziel ist ihm als Ziel seiner eigenen geschichtlichen Erscheinung gesteckt, und die Wahrheiten, die es als sein Symbolum zu dem geistigen Gedanken- Symposion der Völker zu bringen hatte, haben überhaupt erst die Idee einer Geschichte der Menschheit ermöglicht. Dem Judenthum entstammt die Erkenntniß, die das gesammte Menschengeschlecht als eine durchaus einheitliche, in ebenbürtiger Gleichheit zu würdigende Familie begreift, deren gesonderte Stämme bei aller Verschiedenheit an Anlage, Begabung und geistiger und sittlicher Culturentsaltung doch Eins sind in dem Einen gemeinsamen Vater, in dem Einen, Allen gemeinsamen göttlichen Menschencharakter und in der Einen, sie Alle zu Einem gemeinsamen Ziele der Gesittung des Heiles und des Friedens erziehenden göttlichen Liebe. Der Particularismus, den man so hartnäckig dem Judenthum andichtet, um Raum für die eigene Bedeutsamkeit zu finden und das fertige Schema einer religionsgeschichtlichen Pyramide nicht zu stören, wird ja von jedem Blatte seiner Bekenntnißschriften und von der faktischen Auffassung seiner Lehrer und Lehren widerlegt. Eben als die bis dahin einheitliche Menschensamilie zu völkerthümlichen Gegensätzen auseinanderging, ward ja sein Abraham, der „erste Jude, erwählt, um allen Familien des Erdbodens den Segen zu bringen/" und auf, daß auch seine Nachkommen ihre weltgeschichtliche Mission nur im Hinblick auf dies der Menschengesammtheit zu bringende Heil begreifen mögen, ward, als diesem Abraham bereits ein seine menschengeschichtliche Sendung weiter tragender Enkel dastand, diesem Enkel dieselbe gesammtheitliche Segensbestimmung mit der Beifügung: „und durch deine Nachkommen" wiederholt.^ „Um seinen Namen auf der ganzen Erde zu erzählen," die Verbreitung der Gotteserkenntniß unter allen Menschen war von vornherein der ausgesprochene Zweck, als der Eine-Einzige bei geschichtlicher Gründung und Führung des jüdischen Volkes durch zeitige Aufhebung der gewöhnlichen Ordnung der Dinge sich eben als Setzer und Erhalter dieser Ordnung, als Schöpfer und Lenker in Natur und Geschichte offenbarte, und die Rücksicht auf diese Erleuchtung der Völker auf Erden ein ausgesprochenes Motiv bei allen bedeutsamen Momenten der jüdischen Volksgeschichte und die Sammlung aller Menschen zu Gott als letztes Ziel des ganzen schmerzenreichen Ganges des jüdischen Volkes durch die Jahrhunderte der Geschichte gezeichnet. Es sind die Propheten des als particularistisch verschrieenen Judenthums, die als letztes Ziel aller jüdischen- und Menschheitsgeschichte eine Zukunft auf Erden zeichnen, in welcher alle Völker das Gotteswort von Zion's Höhe holen und lernen werden ihre Schwerder und Speere zu zerbrechen und nicht mehr das Schwerd gegen einander zu erheben, die Kriegeskunst nicht mehr zu üben und mit dem Hause t) 1 B. M. 12, 3. 2) 1 H. M. 23, 15. 2) 2 B. M. 9, 16. 32. 12. 4 B. M. 14, 15.. 5 B. M. 9, 28. Jes. 37, 20. 40, 5. 42. 6. Jeremias 32. 20. Ezech. 20, 22. 36. 20 u. f. 5 B. M. 4, «. JesaiaS 2," 2. 11, S. 12. 4. 56. 6. 7. 8. 66.19, 23. Ezech. 38.16. Joel 3. 1. Zephanja 3. 8. Secharjah 14,16 u. f.