Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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12 der unendlichen Weltmanmgfaltigkeit inne — ist das Judenthum nicht berechtigt, in diesem, aus den wenigen Weltlauten, die der forschende Menschengeist bereits aus dem Weltenbuche msammengefügt, das Menschheitbewußtsein zum Ausspruch drängenden Welteinheitsgedanken, nichts als den endlich andämmernden Triumph seiner eigenen Wahrheit, eben jener Wahrheit zu feiern, mit welcher es bereits vor Jahrtausenden in die harmonielose Götter-Krast-Vielheit mit seiner Lehre von dem Einen Einzigen im Himmel und auf Erden und seinem, allen Welterscheinungen zu Grunde liegenden alleinigen Gesetze eingetreten ist, und um dieser seiner Gotteinheit willen das weltgeschichtliche Martyrium sonder Gleichen erduldet hat? Freilich bleiben Meister der heutigen Naturwissenschaft zumeist noch bei der Natureinheit stehen, ohne sich zu dem Einen, dem Schöpfer und Setzer dieser Einheit zu erheben, ja, ohne nur zu ahnen, wie sie eben mit jedem EntdeckungsfortschritL auf dem Wege der Natureinheit selber wider Willen nur Staffel zu Staffel zu dem Weltenthrone des Emen-Einzigen fügen, dem einst, nach der Zuversicht des Judenthums, die Gesammtmenschheit huldigen wird, und dessen Huldigung sie in beschränkter Einseitigkeit aus dem Gedankenbereiche der heutigen und künftigen Menschheit zu streichen sich bemühen. Auch solche auf dem Wege der Menschheit zur Gesammthuldigung des Emen-Einzigen vorübergehende Gedankenkürze haben die Männer der jüdischen Wahrheit längst erschaut, haben längst (Jesaias 66, 17) eine Welt- und Lebensanschauung gezeichnet, die bei der von dem Einen-Einzigen zwischen sich und dem denkenden Geiste als Weg zu sich „in die Mitte gestellten Natureinheit" als Ideal stehenbleiben, die „der Einen" huldigen und dem Einen die Huldigung versagen, die (Jeremias 10, 8) „bei der Einen in Unvernunft und Beschränktheit" verharren. Das Judenthum, das ja Jahrtausende herab des Verschwindens des noch klüstenderen Gegensatzes einer polytheistischen Weltanschauung ruhigen Auges hat warten können, es wartet noch ruhigeren Auges des Nahens der Zeit, in welcher der denkende Geist den noch kleineren Schritt von der Welteinheit zu dem Einen gethan haben wird, von dem die Einheit der Welt. Wenn erst der Reichthum des Materiales mehr bewältigt und wieder Raum gewährt sein wird, daß die Denker aus der durch die Theilung der wissenschaftlichen Arbeit gegebenen Zersplitterung des Gedankens sich wieder zur Umfassung eines Ganzen werden sammeln gönnen und der Gefahr entgehen, aus der Erforschung eines Bruchtheils von einem Bruchstück des Weltganzen das Weltganze construiren zu wollen; wenn namentlich die Forscher der durch Lupe und Messer, durch Retorte und Waage nicht zu erreichenden und doch in nicht minderer tatsächlichen, aus jedes Menschen eigenem Innern zu schöpfenden Gewißheit gegebenen Welt des Geistes und der sittlichen Freiheit sich hingeben werden: dann wird die alte ewige Thatsache, mit welcher das Bewußtsein jeder Kindespsyche in's Hiersein tritt, auf welche nach unserer Psalmenweisheit der Eine-Einzige die Zukunft seines Reichs gebaut, wieder in ihr altes Recht eintreten, und wenn die Vergangenheit ahnend zu dem Einen-Einzigen ^aufgeblickt, wird dann das offene, wissende Menschenauge mit noch tieferer Innigkeit zu Ihm aufschauen, dessen Wesen und Welt schaffende Gedanken und Gesetze sich immer mehr und mehr dem nachdenkenden Menschengeiste erschließen, und wie einst jener brittische Altmeister der Naturerkenntniß, wird die fortgeschrittene Wissenschaft nie den Namen „Gott" denken, ohne, — damit nur'sich selber ehrend, — das Haupt zu entblößen. Inzwischen bleibt das Judenthum ruhig des Wortes seines Propheten (Secharja 9, 1)