Mannheim
Compact Memory

Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1873-01-01 · 1873 · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2580773-2580784--0295-2581223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Menschen im Zusammenhange mit der Natur begreifenden Geiste durchweht. Der SabbaH, dieses uralte Metlschheitssymbol der Schöpfung, welches der Jude durch Einstellung jedes die Erdwelt zu Menschenzwecken beherrschenden Werkschaffens begeht und damit jeden siebten Tag sich und seine Welt und seine diese Welt beherrschende Menschenkrast Gott, als dem Schöpfer und wirklichen Herrn auf's Neue huldigend zu Füßen legt, — der Neumond, der mit der regelmäßigen Wiederkehr des neuen Lichtes ihm den Gedanken an Den auf's Neue belebt, dessen Schöpferwort noch in den Gesetzen waltet, mit denen Er den Himmelskörpern die Bahnen gewiesen, in welchen sie mit unwandelbarer Treue in ewiger Heiterkeit ihren Kreislauf gehen und ihn zugleich auffordert, im Anblick des neuen wachsenden Lichtes diesem gleich seine eigene Verjüngung und seine eigene fortschreitende Erleuchtung zu einem treuen, heitern, gottverherrlichenden Wandel auf Erden zu geloben, — die Feste der Erlösung, der Gesetzgebung und der Erhaltung in der Wüste, (das Passah-, Wochen- und Hüttenfest), die alle drei zugleich die Feste des Frühlings, der Sommerreife und der Erndte sind und ihre geschichtliche Bedeutung in tief innerlichem Zusammenhange mit ihren jahreszeitlichen Beziehungen begreifen, und damit ganz eigentlich die Einheit Gottes in der Natur und der Geschichte zum Bewußtsein bringen:—alles dies ist sehr wohl geeignet, die Jugend zu einem denkenden Wandel auf Erden und damit die geistigen und sittlichen Zwecke der Jugendbildung mächtig zu sördern. Und das Judenthum ist nicht der Meinung, mit diesem Allen seine Kinder nur Das zu lehren, was sie als Männer nicht rasch genug der Vergessenheit zu übergeben haben werden, vor Allem nicht Das zu lehren, was vor dem Ernst der Wissenschast als überwundener Standpunkt zurückzutreten hätte. Das Judenthum scheut nicht den Fortschritt der Wissenschaft, es freut sich seiner und rechnet aus ihn. Nur weiß es sehr wohl zu unterscheiden zwischen Thatsache und Hypothese, zwischen richtiger Prämisse und sehr oft an einseitiger Halbheit leidender Folgerung, zwischen dem bescheidenen Ernst wahrhaft in den Schachten der Erkenntniß arbeitender Männer und dem oft gedankenlosen Jubel an deren Resultaten sich berauschender Jünger. Wenn die heutige Naturwissenschaft — dieser gerechte Stolz des Jahrhunderts — als Höheziel aller Naturerforschung die Möglichkeit ahnt, die ganze Mannigfaltigkeit der Formen ans Eine Grundform, die ganze Mannigfaltigkeit der Kräfte auf Eine Kraft, die ganze Mannigfaltigkeit der Gesetze auf Ein Gesetz zurückzuführen, wenn — man verzeihe dem Zuschauenden diese Aeußerung — von einigen wenigen überraschenden Erfolgen berauscht, diese vielleicht, nie sich verwirklichende Möglichkeit, bereits als Gewißheit verkündet und als feste Basis einer sich ohnehin überstürzenden Folgerung verwerihet wird: ist da das Judenthum nicht vielmehr berechtigt, schon die bloße Möglichkeit einer solchen wissenschaftlichen Ahnung, die bloße Thatsache, daß doch immerhin, je mehr die Naturforschung fortschreitet, je mehr das zu bewältigende Material zu einer immer weiter auseinandergehenden Theilung der wissenschaftlichen Arbeit nöth^gt, gleichwohl eine Einheit ahnen lassende Aehnlichkeit der Ergebnisse sich aufdrängt, also, daß der Astronom auf der Warte und der Mineralog in dem Schacht, der Physiolog mit der Lupe, der Anatom mit dem Messer, der Chemiker mit der Retorte, daß sie alle des Bewußtseins sich nicht erwehren, können: Ein Werk in Himmel und Erde studiren sie alle, Einem Stoff und Kraft, Gesetz und Form bildenden Gedanken sind sie Alle auf der Spur, Einer harmonischen Einheit werden sie alle inmitten 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.