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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1873-01-01 · 1873 · page 9

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
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-^A. 10 HS- Es wird aber schon dieses Wenige, das wir von den Blättern dieser Schriften abgelesen, genügen um zu zeigen, wie sehr das Judenthum die von ihm zu bildenden Jünger in den Kreis denkender Naturbetrachtung hinaus ruft. Freilich stehen diese Naturerkenntniß suchenden Gedanken nicht im Dienste industrieller Menschengröße. Bereicherung und sinnliche Behaglichkeit ist nicht der Preis, mit dem sie zur Naturerkenntniß laden. Es sind auch nicht poetische Ergüsse, mit welchen ein vom sogenannten Weltschmerz verwundetes Gemüth an den Brüsten einer zu ewig neuer Blüthe sich verjüngenden Natur Trost und Vergessenheit für ein in Jammer und Elend verkommendes Menschenleben sucht. Im Dienste einer vom reinen Gott- und Menschenbewußtsein getragenen sittlichen Erhebung stehen diese Naturbetrachtungen und lassen im Anblick einer Gott verkündenden und Gott huldigenden Welt den Menschen seiner eigenen Stellung und der Hoheit seines eigenen Berufes in dieser Gotteswelt froh bewußt werden und die noch größere Seligkeit eines in heiterer Pflichtthat sich vollendenden, aus eigenem innern Born ein nimmer welkendes geistiges und sittliches Fortblühen schöpfenden Lebens empfinden und genießen; — Gedanken, Empfindungen und Genüsse, für welche das jüdische Kind von früh an empfänglich gemacht wird. Alle Institutionen, in welche das Judenthum es einführt, lassen es in stetem Zusammenhange mit der Natur bleiben und in diesem Zusammenhange seine eigene Bestimmung begreifen lernen. Das frühe Morgenroth, wie die hereinbrechende Nacht lassen es Dem sich weihen, der den Lichtstrahl sendet und die Abende dämmert, dessen uraltes: es werde Licht! noch jeden jungen Tag als neuen Schöpfungsmorgen heraufführt und nach dessen Schöpferwillen noch jeder Stern in der angewiesenen Bahn die Wache der Nacht antritt. Wenn es blitzt, wenn es donnert, wenn Meteore leuchten, wenn es die Granit- und Basalt-Riesen schneegekrönter Berge, wenn es das wogende Weltmeer oder die erste Fruchtblüthe des Frühsommers erblickt, oder den Duft der Blumen athmet, eine Frucht, einen Trunk Wasser, ein Stückchen Brod genießt, wo und wann immer die Natur in ihren Erscheinungen an es hinantritt oder es sich einer Spende der Natur erfreut, immer wird sein Sinn gefesselt, sein Denken geweckt und zu Dem hingeleitet, dessen Wirken und Walten ihm noch in jeder stillen und lauten Größe der Natur gegenwärtig wird und es mit dem einzigen Worte, das die Väter seines Volkes in den Mund des Juden gelegt und das nie von den Lippen des Juden weicht, mit dem Worte: „Larüeli" immer wieder und wieder das Pflichtgelöbniß seiner Lebensbestimmung erneuen lehrt. Wie der erste Jude mit der Weisung: deraeKHK," „werde Segen!" in die Welt hinausgesandt ward, im Gegensatz zu den selbstsüchtig nur Segen suchenden Andern, gehe du ganz in den Beruf auf: Segen zu werden, Heil und Glück deiner kleinen oder großen Umgebung zu mehren und deines Ortes das Werk Gottes mit jedem Athemzug deines Daseins und jeder Wirkung deiner Kraft zu fördern: so lernt noch heute mit dem, Gott im Anblick der Natur zugewandten „LarüoK" jedes Abrahamskind die Lebenserbschast seines großen Ahu's antreten, in seinem kleinen und kleinsten Kreise nichts anderes zu wollen, als Segen zu werden, Hell und Freude jedem Wesen neben sich zu spenden und, wie still und unerkannt auch immer, ein treues Pflichtleben Dem zu leben, dem schon Abraham im Anblick des Himmels und der Erde als dem „Eigner des Himmels und der Erde" sich geweiht. Alle Feste, welche die jüdische Jugend mitzufeiern angeleitet wird, sind von demselben, den

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