Mannheim
Compact Memory

Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1873-01-01 · 1873 · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2580773-2580784--0290-2581218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-Me- 6 -HA- Treten wir ewigen Grundgedanken dieser Institution vom pädagogischen Gesichtspunkte aus näher, prüfen wir ihre Faßlichkeit für das jugendliche Denkvermögen und den Einfluß ihrer Pflege auf die geistige und sittliche Entwickelung der Jugend. Irren wir nicht, so liegt wohl kein Begriff dem Vorstellungs- und Gedankenkreise der Seele näher, tritt keiner dem zum Bewußtsein erwachenden Denken früher nahe, als die Vorstellung und der Begriff der Ursächlichkeit, der Causalität. Das neugeborene Kind, das bereits nach der ersten Stunde seines Hierseins auf Deinen Armen sich dem Lichte zuwendet und, wenn Du es abwendest, durch Drehung seines Köpfchens den Eindruck des Lichtes wieder sucht, hat bereits die Vorstellung einer Ursache in sich aufgenommen, und auf welcher Frühstufe der Morgendämmerung des Bewußtseins auch immer sich bereits von einer solchen Vorstellung leiten lassen. Es sucht die Mutterbrust als Ursache -der Befriedigung seines Nahrungsbedürfnisses und fühlt sich schon beruhigt im Bewußtsein ihrer Gegenwart, und jedes Jnventarstück seiner frühesten Pflege gewinnt bald seine Sympathie oder Abneigung, je nachdem es von ihm bereits als Ursache zu erwartenden Behagens oder Mißbehagens erkannt wird. Und freies, einen vorgedachten Zweck durch bestimmte Veranstaltung herstellendes Schaffen ist die allerfrüheste Vorstellung, mit welcher es die Thätigkeit seiner erwachsenen Umgebung vertraut macht und in deren Nachahmung sich das zum Spiel gereifte Kind am frühesten urd am liebsten übt, so sehr, daß nicht die freie Causalität, sondern eine physische, in bewußtloser Nöthigung erfolgende Wirkung vielmehr die Vorstellung ist, deren Auffassung erst der Reflexion eines späteren Stadiums vorbehalten bleibt. Der frühesten Kindlichkeit geschieht Alles aus freier beabsichtigender Ursächlichkeit, und sie zürnt dem harten Voden und der Tischecke, die ihr im Fall und Stoß Schmerzen gebracht. Dieser ursächliche Zusammenhang der Welt der Erscheinungen, und diese freie Ursächlichkeit des Menschenthuns, in deren Armen von selbst das Bewußtsein eines jeden Menschenkindes aufblüht, sie sind ja auch das vorzügliche Objekt und die unerläßliche Voraussetzung jeder Menschen bildenden Thätigkeit. Von dem ersten Anschauungsunterricht, der den Sinn und Geist der Kleinen in Erkenntniß und Verständniß ihrer Welt einführt, bis hinan zu den Höhen männlicher, auf wissenschaftlicher Basis beruhender Erkenntniß, begnügt sich keine Stufe, nur die Dinge nach ihren constanten Merkmalen und Eigenschaften kennen zu lehren, sondern eine stufenmäßig fortschreitende Einsicht auch in den Zusammenhang und die causale Wechselwirkung der Dinge ist überall das anzustrebende Ziel. An die freie Selbstbestimmung, das ist ja an die freie Causalität, die den Menschen als Menschen charakterisirt, appellirt ja aber jeder, Erkenntniß oder Fertigkeit erzielende Unterricht, und jedes Thun oder Lassen fordernde Wort der Erziehung. Ueberall wird der junge Mensch zur freien Selbstbestimmung, zur bewußten Richtung seiner erkennenden oder schaffenden Kräfte auf ein, in entsprechender Weise zu erreichendes Ziel geladen, und der zeitgenössische Wahn, der, die Thatsächlichkeit der Selbsterfahrung eines jeden Menscheninnern verläugnend, uns die Wahrheit dieser, in freier Ursächlichkeit sich betätigenden Selbstbestimmung entwinden möchte, möge zuvor unsere Schulen schließen und jedes erziehende Bemühen zum Gelächter machen. Und nun eben diese, wie wir meinen, dem Bewußtsein des Menschen am frühesten von aller Realität der ihn umgebenden und sich in ihm selber ihm offenbarenden Welt sich einprägende Borstellung der Causalität, der Gedanke eines freien Schaffens, er ist ja fast der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.