Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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— 20 — sittlichen Fertigkeiten, die wir an nnsern Kindern zur Vollendung ausbilden möchten, nicht durchgehen und zuerst uns selber geloben, mit dem Aufgebot aller unserer Kraft dahin zu arbeiten in allem diesem es selbst zur möglichsten Meisterschaft zu bringen, damit wir unseren Kunstjüngern zeigen können, wie man die Kunst übe, die sie von von uns erlernen sollen — sollten vor Allem die häßlichen Fehler und Untugenden, die wir von unfern Kindern nicht werden dulden wollen, nicht selbst erst in uns selbst aus unfern Anschauungen und Gesinnungen, unfern Worten und Handlungen völlig tilgen, damit unsere Kinder nicht eben sie, nicht eben das Straucheln und Stümpern in der sittlichen Kunst von uns erlernen, in welcher wir sie zur Meisterschaft bringen sollen — sollten nicht mit dem ersten Kinde, das Gott uns beglückend in die Arme legt, das heiligste Gelübde vor seinem Angesichte ablegen, nunmehr uns erst selbst zu erziehen, damit wir Erzieher seiner Zöglinge in seinem Sinne zu werden vermögen? Erziehen heißt zu sich heran und Heraufziehen, heißt den zu Erziehenden zu dem Standpunkt hin und hinaufgeleiten, auf dem man selber steht. Nur durch unser Gehen und Sprechen lernen unsere Kinder gehen und sprechen, und sie sollten in anderer Weise geduldig sein, gelassen sein, freundlich, milde, aufrichtig, wahr, mäßig, bescheiden, gerecht und liebevoll sein, sollten in anderer Weise sich selbst beherrschen, Widerwärtiges leicht ertragen, Wünschenswerthem heiter entsagen, die schwersten Pflichten mit besonnenem Frohsein von uns und durch uns erfüllen lernen, als indem sie die Möglichkeit und das Beglückende aller dieser Tugenden, wie Gehen und Sprechen, in immerwährendem Beispiel vor sich haben? Und Kinder haben ein scharfes Auge, ein noch schärferes Ohr und ein unendlich wahres waches Gemüth, das alle