Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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- 19 — Heiter und freudig entfaltet sich dann Geist und Gemüth deines Kindes unter deinen Händen. Kaum wirst du dann in den eigentlichen Jahren der Erziehung eigentlich zu gebieten und verbieten haben. Von selbst schaut die Psyche deines Kindes zu dir harrend auf, lauscht deines Winkes, um zu wissen was zu thun und zu lassen, und folgt dir mit freiem, willigem Gehorsam den Pfad hinan, der es zur Höhe der sittlichen Kunst geleitet. Allein in gleich hohem Grade sollten die ersten Lebensjahre unserer Kinder, sollte insbesondere das erste Lebensjahr unseres Erstgeborenen eine Zeit der ernstesten Vorbereitung für uns selbst, die einstigen Erzieher, sein. Unser Ziel ist ja ein Können, kein bloßes Wissen, Bravsein eine Kunst, keine Kenntniß, und zur möglichst vollendeten Ausübung dieser sittlichen Kunst sollen und wollen wir unsere Kinder heranbilden. — Wohlan denn, Keiner lehrt eine Kunst, die er nicht selbst versteht, die nicht der Schüler nicht aus den Worten, sondern aus der möglichst vollendeten, vor seinen Augen geschehenen Ausübung des Lehrmeisters zu erschauen vermag. Ist der Lehrer ein Stümper wird der Schüler kein Meister. Was der Lehrer nicht kann wird der Schüler gewiß nicht können, und die Fehler, die dem Lehrer in der Ausübung der von ihm zu lehrenden Kunst anhaften, werden im Schüler nur eine traurige Vermehrung und Verewigung finden. Das, und nichts Anderes sagen wir uns in Beziehung zu jeglicher Kunst und geben nirgends unser Kind bei einem Pfuscher in die Lehre — und in der sittlichen Kunst, dieser schwersten und wichtigsten aller Künste, wollten wir es anders halten, wollten wir uns der Täuschung hingeben, unsere von uns auszubildenden Kinder dürften durch uns Meister in einer Kunst werden, in welcher wir selber nicht über das Stümpern hinauskämen; sollten das Register aller der Tugenden und 2*