Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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— 16 - und vollendeter diese Unterordnung geschieht, um so größer ist die Meisterschaft in der sittlichen Kunst. Der reife Mann trägt dieses Diktat in eigener Brust, bei dem werdenden, dem Kinde, haben die Eltern das Diktat des Sittengesetzes zu vertreten, bis ihr Kind unter ihren Händen und durch ihre Einwirkung reif geworden und sie nun die Gesetzestafeln des Sittengesetzes seinen eigenen Händen anvertrauen und es selbst zmn Vertreter desselben gegen sich selber dahin stellen können. Wohlan denn, dieselben verlangenden Kräfte, deren Unterordnung die sittliche Würde des einstigen Jünglings nnd Mannes wird ausmachen sollen, und dasselbe göttlich Freie, das einst mit Herrscherkraft die Unterordnung vollziehen soll, beide sind bereits in dem Kinde mit seinem Eintritte ins Hiersein gegeben. Der erste Schrei eines gewordenen Menschen spricht: „ich will!" und „ich will nicht," verkündet den das Behagen verlangenden und das Unbehagen fliehenden Witten; mit jeder fortschreitenden Woche tritt dieses verlangende Wollen energischer auf - und da wäre es nicht bedenklich, fünfzig, hundert, huudertfunfzig, zweihundert Wochen lang nur darauf Bedacht zu nehmen, dem Verlangen dieses wollenden Wesens, bald aus übelverstandener Zärtlichkeit, bald aus reinem Egoismus, um sich den lästigen Schrei seines Unmuths zu ersparen, in allem nur Möglichen zu begegnen, ein, zwei, drei Jahre lang das kleine Menschenwesen ganz eigentlich zum absoluten Gebieter seiner Umgebung heranzubilden, die Wiege des werdenden Mannes mit der gefährlichen Täuschung zu umgeben, er brauche nur zu verlangen, so geschehe es, brauche gar nur zu schreien nnd lästig zu fallen um „seinen Willen durchzusetzen" — und mit Einemmale die Rollen zu wechseln und von dem fünfjährigen Menschen einen Gehorsam zu verlangen, der bis jetzt in dem ganzen Register seines kleinen