Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- 12 — auch die jetzt hindernd entgegenstehende, und nur jetzt und hier zum Schweigen zn bringende Anlage völlig gebrochen und unterdrückt werden; kann sie ja vielleicht schon im nächsten Augenblicke znr entsprechendsten Verwendung nnd Verwerthung berufen sein. Die sittliche Kunst darf daher nie scblummern, kann nie sorglos einer bereits errungenen Stnfe der Fertigkeit vertrauen, hat selten eine Vollendung vor sich, ist nie ihrer Znknnft sicher und — entbehrt des leckenden Reizes der Anerkennung mitstrebender Genossen. Gerade sie, die hehrste nnd höchste Kunst, feiert ihre höchsten Siege im Stillen und eben ihre größten Meister wandeln oft, weil in unscheinbarem Gewände nnd in unbeachteter Stellung, unbekannt, ja oft von den gedankenlosen Mitwallern verkannt uud verachtet über die Erde. Glücklicher Weise kann sie eines solchen Spornes entrathen, ja gehört ein heiteres Verzichten ans Anerkennung von vorn herein wesentlich zu ihrem schönsten Pensum. Allein für die Gewinnung einer größeren Jüngerschaar muß sie es bedaueru, nicht mit größerer Entschiedenheit als Kunst in ihrem Werthe erkannt zn werden und weder im Leben noch in der Ertüchtigung zum Leben als solche die gebührende Achtung nnd bewundernde Beachtung zu finden. Für die Schule der sittlichen Kunst ist es nicht gut, daß in der Gesellschaft Beschränktheit nnd Unbeholfenheit weniger Nachsicht als Schlauheit und heillose Gewandtheit finden, daß es gefährlicher ist eine Dummheit als ein Unrecht zn begehen, daß eine viel größere Empfindlichkeit für Sprachfehler nnd Kenntnißmangel als für sittliche Fehler und sittliche Mängel verbreitet ist, daß ein künstlich angestrebter und glücklich erreichter Erfolg einen Schleier wirft über die sittliche Verworfenheit des Weges dahin, daß der Virtuosität des Genies in jeglicher Kunst von vorn herein ein Freibrief für das trostloseste Stümperbleiben in der mensch-