Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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— 11 — wärtigen Momente immer nur der Eine, richtige Ton, und nur der Eine, reine Akkord begegne — und alle anderen unter dem Meisterwitten gebannt verstummen und schweigen? Es ist wahrlich leicht einzusehen, warum in irgend einer geistigen oder technischen Fertigkeit die Meisterschaft zu erringen viel leichter ist, als in dieser sittlichen Kunst auch nur annährend kein Stümper zu bleiben, und wir daher mit viel größerer Zuversicht des Gelingens uns vorsetzen können, unfern angehenden Menschen zum Meister in irgend einer Wissenschaft oder Knnst heranzubilden, als ihn zu einem braven Manne zu erziehen. Jede erlangte Kenntniß und Fertigkeit erfreut Geist und Sinn, erhöht das Selbstbewußtsein des Fortschreitenden, und einmal erlangt, findet sie wenig Gegensätzliches im Menschen, um ihm nicht für immer zu eigen zu bleiben. Das winkende Ziel auch uur relativer Meisterschaft im Wissen und Können hat für jeden gesund gearteten Menschen einen lockenden Reiz. Von dem Arbeiter, der geschickt sein Holzpensum zu gleichen Theilen gespalten und in geordneten Haufen geschichtet, bis zu dem Architekten, der das Colossenm in Rom erbaut, von dem ein fachen Buchhalter, der seine Tages- oder Jahresrechnnng zum reinen stimmenden Abschluß gebracht, bis zum Arago des feinsten mathematischen Calknls, blickt jeder mit Wohlgefallen auf sein vollendetes Werk; denn es freut sich der menschliche Geist einer jeden von ihm vollendeten Schöpfung, und die Anerkennung, die der „Geschickte" auf jeder Stufe und in jedem Kreise von seinen Mitmenschen findet, ist ein wohlthuender Lohn, dessen Reizen sich Keiner verschließt. Die sittliche Kunst fordert aber eben eine Fertigkeit in heiterer Erfüllung des Unangenehmen, in heiterem Unterlassen des Süßen. Sie wird auch nie einfür altemal erlangt; bei jeder neuen Gelegenheit fordert sie stets eine erneute Energie des sittlichen Wollens. Darf ja keine,