Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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— 10 - wenn ihn einst Alles aufregt und hinreißt, wehe ihm auch wenn er Allem gelassen mit znsehen und ihm Alles gleichgiltig sein wird. Wehe, wenn er in blähendem Stolze sein Ich nur kennen und wehe auch, wenn er nie in edlem Selbstbewußtsein sich aufzurichten wissen wird. Wehe ihm, wenn er ohne Wahl Allem seine Sympathien zuwendet und wehe ihm auch, wenn er Nichts seiner Liebe Werth erachtet. Wehe, wenn seine Festigkeit zn Starrsinn gefrieret und wehe, wenn ihn jeder Einfluß gefügig findet. Wehe, wenn ihn der Rausch der Sinnengenüsse zu Grabe trägt und weh ihm auch, wenn er selbst den reinen Blüthen irdischen Daseins den Rücken wendet. Sittlich, und gottlob auch glücklich nur dann, wenn die jetzt in andämmerndem Bewußtsein noch verhüllte Psyche einst, zum Manne erstanden, die leiseste, einer Unschuld zugefügte Unbill bis zur Entrüstung empört, und sie dabei gelassen selbst das schreiendste Unrecht erduldet, wenn sie dem schamlosen Uebermuth mit dem Stolze der Menschenwürde begegnet und zugleich vor dem Lächeln eines Kindes in Demuth sich beugt, mit dem hingebendsten Eifer sich für alles Edle begeistert und mit gründlichstem Widerwillen alles Gemeine und Niedrige hasst, fest wie ein Fels und hart wie Granit ist, wo die Lüge und Leidenschaft lockt und biegsam wie Stahl und leitsam wie ein Kind ist, wenn Wahrheit und Tugeud zu ihr spricht, den Becher der Wollust unempfindlich von sich weist und in den reinen, sittlich verklärten irdischen Freuden schon den Himmel auf Erden genießt. Und da wäre es nicht eine Kunst, ja der Künste höchste nicht, nicht nur in den mannigfachsten Momenten des beziehnngsreichen Lebens überall und immer das richtige Maß und die Gränze zu erkennen, wo das Gute und Schlechte sich scheidet, sondern auch die Claviatur des registerreichen Seelenvermögens also mit geübter Meisterschaft zu beherrschen, daß jedem gegen-