Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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die sittliche Stufe gilt ihr als Bedingung des Menschenwerthes. Nicht was der Mensch ans Gottes Händen durch Geburt und Schicksal empfängt, sondern was er mit allem Den: und in allem Dem aus sich macht, wie er mit allem Dem und in allem Dem das sittlich Gute und nur das sittlich Gute verwirklicht und anstrebt, das weist ihm Rarg und Würdigkeit in dem Ordenskapitel an, das der König aller Könige in seinem Hanshalte hält. Wenn ein Mensch wird, lehrt diese alte Weisheit, so tritt der Genius des Menschenwerdens vor Gottes Thron mit der Frage hin: diesem Menschenkeim, was soll ihm werden? Soll er stark oder schwach, klug oder beschränkt, reich oder arm er werden? „gut oder bös" jedoch fragt er nicht; denn Alles ist ans Gottes Händen, nur nicht die Gottesfurcht. Betrachten wir denn den Säugling im Lichte dieser alten Weisheit. Welch' eine Mannigfaltigkeit von Kräften nnd Fähigkeiten, Anlagen nnd Trieben, Neigungen und Bestrebungen schlummern in diesem noch so sichtbar hüpfenden Gehirn, in diesem noch so rasch pulsirenden Herzen! Nicht eine Einzige, nicht Eine von allen diesen bereits im Keime gesäeten Lebensrichtungen an sich schlecht, auch nicht eine Einzige bereits an sich gut. Jede kann eine Saat des Le bens und des Heiles, jede eine Saat des Fluches nnd des Unterganges werden, je nachdem der kleine Herrscher, der ebenfalls in dieser Menschenknospe bereits schlummert, über seine Vasallen, die sie von der sinnlichsten Tiefe bis hinan zur geistigsten Höhe alle sind, gebieten nnd sie in seinem Reiche verwenden wird. Nicht der Zorn noch die Gelassenheit, nicht der Stolz noch die Demnth, nicht der Eifer noch die Kälte, nicht die Liebe noch der Haß, selbst nicht der Eigensinn und nicht die Fügsamkeit, oder wie die Gegensätze, alle heißen mögen, zwischen denen der Menschencharakter oscillirend schwankt, sind an sich gut oder bös. Wehe ihm,