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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1869-01-01 · 1869 · page 10

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580780--0171-2581144
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9 legend Erlangte angeknüpft wird, und sich in Wahrheit jeder fortschreitende Unterricht nur als immer größere Vertiefung und Erweiterung des Vorangegangenen darstellt, so wird mit größerer Beruhigung für manchen Minderbegabten Schüler der Silberblick erwachender Denkklarheit erst vom spätern Alter in höherer Klaffe abgewartet werden können. Wir möchten für jetzt nur noch mit zwei Sätzen aus dem Spruch-Schatze unserer Alten schließen, die, wie uns scheint, in einheitlichem Zusammenhange mit ihrer Anschauung des genetisch-organischen Charakters alles wahren Unterrichtes stehen. Sie sprechen zum Schüler: 1o kadeisekau lameä, „der zu Schüchterne lernt nichts", zum Lehrer: lo kakapäaii melanied, „der Ungeduldige, Heftige lehrt nichts", und empfehlen endlich dem Lehrer: jelu. kedod. tkalnMaeli ekakil) aleelia kesekelael^ „die Ehre deines Schülers sei dir so theuer wie die eigene!" Wo die Schule als eine Pflanzstätte mit verschiedener Entwicklungsfähigkeit begabter jugendlicher Seelen begriffen wird, und wo der Lehrer sich als moreli, als geistigen „Befruchter", und seinen Unterricht als tlior^ als geistige „Befruchtung" begreift, wo überall in jedem Zögling der „künftige" Mensch angeschaut wird: da werden eben die Schwachen, die Minderbegabten, ein ganz vorzügliches Augenmerk der Schule und der Lehrer, und da wird die ganze Haltung des Unterrichts, der Lehrer und des Klassenlebens eine solche sein, daß eben die Schwachen und Minderbegabten Ermuthigung und Selbstvertrauen gewinnen und nicht, aus Scheu Einsaitiges zu fragen oder Unrichtiges zu antworten, Frage und Antwort, und damit die Möglichkeit der Belehrung unterdrücken. Ist doch das, was Schule und Lehrer eben diesen Schwachen leisten, vor Gott und jedem einsichtigen Beurtheiler der wirkliche und eigentliche Gradmesser ihrer Leistungen. Nur zu sehr verdunkeln, wie in der großen Welt, so auch in der kleinen, der Schule, oft die Glücklichen, Reicherbegabten, ihre bescheidener ausgestatteten Genossen, und nur schüchtern und zaghaft wagt neben ihnen der Minderbegabte einen geistigen Anlauf. Rasch und mühelos gelingt jenen Glänzendes, wo diese des Zusammennehmens aller geistigen und sittlichen Energie bedürfen, um auch nur ein bescheidenes Ziel zu erreichen. Der sich als „Moreh" begreifende Lehrer wird aber die in der treuen Mühe des Minderbegabten sich bethätigende sittliche Willenskraft der glänzenden, aber mühelos errungenen Leistung gegenüber vollgiltig in die Wagschale legen, wird in ihr eine Kraft erblicken und Pflegen, die oft eine viel werthvollere Bildungsgediegenheit für die Zukunft verspricht, als von denen erreicht wird, die eben in ihrer glücklichen Begabung die sittliche Kunst der Anstrengung nicht lernen und den süßen Lohn erfolgreicher Mühe nicht kosten;

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