Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4 führende Schlüsse endlich die gewünschte Erkenntniß aus dem Innern des Zöglings heraus geboren werden zu lassen. Allein beim Jugendunterricht wird diese somatische Methode nur immer sekundär eintreten können, wo es gilt bereits Aufgenommenes, in's unbewußte Dunkel Zurückgetretenes, wieder in die Klarheit des Bewußtseins hervor zu heben, durch wiederholte Gedankenanschauung zu befestigen und durch selbstschöpferisches Handhaben des bereits erworbenen Wissensschatzes den geistigen Besitz Werth und lieb zu machen. Es gehört immer ein ganzer Sokrates dazu, und beschränkte Lehrer, die ihre sokratische Methode überall anwenden zu müssen glauben und — man verzeihe uns die Trivialität des Gleichnisses — auch auf der Mühle mahlen wollen, auf die sie vergessen haben Korn aufzuschütten — quälen nicht selten sich und ihre Schüler vergebens ab und müssen zuletzt, um nicht mit leerem Scheffel heimzukehren, geschickt oder ungeschickt das abverlangte Mehl selbst in den Mahlgang schütten. Die meisten Gegenstände, die wir die Jugend zu lehren haben, sind für ihre Kenntniß und Erkenntniß neu, oder es sind neue Wahrheiten, Verhältnisse, Beziehungen, die wir ihnen an bereits in anderer Hinsicht bekannten Objekten zur Erkenntniß zu bringen haben. Es ist eine Bereicherung des jugendlichen Gedankeninventars. Da tritt vor Allem die Aufgabe des primitiven, frischen Lehrens an uns heran, die unser jüdischer Sprachge-- danke als geistiges Keimlegen, Befruchten, Zeugen, koraak, begriffen wissen will. Darum sei zuerst unser Lehren nichts Mechanisches. Was lebendig weiter wachsen soll, muß auch lebendig, anregend gegeben werden. Aber das lebendig Anregende muß mehr in dem Mitgetheilten, als in der Weise des Mittheilens liegen, die vielmehr von der ruhigsten Besonnenheit beherrscht sein sollte. Gilt es doch einen geistigen Keim also einem jugendlichen Geistesacker zu übergeben, daß er dort Wurzel fasse und in dem dort Vorhandenen, ja dem Boden seiner weitern Fortentwickelung, Verwandtes und Entsprechendes vorfinde, mit dem er sich anschließend organisch zu verbinden und daraus Nahrung weiteren Gedeihens zu schöpfen vermöge. Daher nicht zu jeder Zeit, und Jedem auf jeder Stufe ist Jegliches in jedem Maaße und jeder Art zur Aneignung zu bieten. Sorgfältig muß der Boden, das an geistiger Kraft und geistigem Stoff Borauszusetzende, erwogen, und danach der Gegenstand und das Maaß des Umfanges, so wie die Art der Mittheilung gewählt werden. Die ganze Kunst der Stoffverth eilung in einem Unterrichtsplan beruht auf richtiger Würdigung des organisch lebendigen Wesens jedes wahrhaften Unterrichtes. Dem besonders begabte Naturen vermögen auch wohl Voraussetzungsloses mit Nutzen « aufzunehmen. Die lebendig organische Keimkraft des Mitgetheilten arbew .<. '^nen aus sich heraus, gleichsam zurückbildend, die geistigen Ver-