Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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3 -Hm-- werden, da ist es seine Tüchtigkeit und sein wackeres Wesen, das in ihnen „vervielfältigt" fortlebt und fortwirkt. So dürften schon diese Bezeichnungen verschiedener Seiten der lehrenden und erziehenden Thätigkeit des Anregenden und Aufklärenden Manches bieten. Aber als geradezu schöpferisch, die ganze didaktische Kunst nach Ziel und Methode mit Einem Worte noinnrend, und alle die bereits genannten Modalitäten beherrschend, erscheint uns der Ausdruck, welcher dieser Sprache der edelste ist zur Bezeichnung des Lehrens, der Lehre und des Lehrers: korali, die transitive Form von karak, Mutter werden, wovon das bekannte: Thorah, Lehre. Dieser Ausdruck begreift „Lehren" als ein geistiges Zeugen, Befruchten, weshalb auch rnoi-ek gleichzeitig „Lehrer" und befruchtender „Regen" bedeutet. Eine ganze Fülle didaktischer Weisheit dürfte sich aber einem denkenden Lehrer aus einer Anschauung erschließen, die ihn sich als geistigen Befruchter und fein Geschäft als Legen eines Keimes in den geistigen Organismus seines Zöglings begreifen läßt, der dort organisch wachsen und sich zur vollendeten Reife entwickeln soll. Versuchen wir die Andeutung einiger der Gedanken, die in dieser Anschauung ihre Anregung finden dürsten. Da möchte denn zuerst diese Anschauung in geradem Gegensatz zu jeuer somatischen Weisheit erscheinen, die die Kunst des Lehrens als geistige Hebamme begreifen lehrt und durch eine Reihe künstlich gegliederter Fragen dem Zögling die Erkenntniß und Anerkenntniß einer Wahrheit entlocken, und ihn das Wahre als bereits in ihm, aber nur dunkel vorhanden, nunmehr zu klarem und deutlichem Bewußtsein aufzufinden anleiten will. Allein wir wagen den bescheidenen Zweifel, ob die Übertragung dieser somatischen Maieutik auf den Jugendunterricht nicht vielleicht den wesentlichen Umstand übersehen haben möchte, daß Sokrates mit bereits erwachsenen Jünglingen belehrende Unterhaltung pflog, und noch dazu seine Lehren größtentheils ethische Wahrheiten zum Gegenstande hatten. Erwachsene Jünglinge haben bereits bewußt und unbewußt durch Unterricht und Umgang, durch Erfahrung und Beispiel eine Fülle von Erkenntnißkeimen in sich aufgenommen, und — wir glauben nicht zu irren — zu ethischen Urtheilen trägt Jeder, und selbst das frühe Stadium der Kindheit, die wesentlichsten Erkenntniß knospen in sich. Sie sind ein Angebinde des Schöpfers, das eben den Menschen zum Menschen macht. Da ist eben die somatische Kunst ganz an ihrer Stelle. Da gilt es den jugendlichen Geist durch „zurückbeugen" auf sich selbst, reflektirend, den bereits vorhandenen Gedankenstoff sich zum Bewußtsein, die vorhandenen Gedankenbilder scheidend und verbindend in die der Wahrheit entsprechende Ordnung bringen, und durch immer weiter und weiter 1*