Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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schiedenheit des Ausdruckes. Nur der Unklare und Schwankende bedarf vieler Worte, um die Halbheit des Wissens oder Lebens zu umschleiern. Sie hat daher auch ihr schönes lekaek, womit sie die Lehre nicht nach dem Tradiren, sondern nach der Aufnahme, nach dem Fassen und Behalten des Lernenden kennzeichnet, und zu dem Lehrer spricht: Und hättest du eine ganze Stunde mit Eifer und Wärme gesprochen und docirt, gelehrt hast du nur so viel als die Schüler gelernt. Es muß dir vor Beginn eines jeden Unterrichtes klar sein, was in dieser Stunde deine Schüler lernen, das ist ja eben im lekaek-Begriff: in sich aufnehmen sollen, und es muß am Schlüsse des Unterrichtes dir die Ueberzeugung klar sein, daß sie es gelernt, und nur nach dem größern oder geringen: Maaße dieses Gelingens ist dir mehr oder minder das drückende Gefühl erspart, vergebens gearbeitet, das ist eben: nicht gelehrt zu haben. Und sie hat die herrliche Bezeichnung alles Erziehens und Lehrens durch rakali, wovon ja das bekannte „Rabbi", das nicht wie uiaAistei' und Meister den Lehrer als den „Mehrseienden", sondern als den „Mehrer", und das Geschäft alles Lehrens und Erziehens als ein „Sichvermehren", als das Bestreben begreifen läßt: sich in dem Schüler und Zögling zu wiederholen, Schüler und Zöglinge zu seinen Ebenbildern an Geist und Charakter zu machen. Aller Ernst und alle Seligkeit des Lehrens und Erziehens liegt in diesem Begriff. Aller Ernst: denn er macht die nimmer rastende Selbstarbeit an dem eigenen Geist und dem eigenen Charakter zur ersten Pflicht jedes Lehrers und Erziehers. Er muß sich selbst immer mehr und mehr zu einem solchen Menschen an Geist und Charakter bilden, daß dessen „Wiederholung" ein Verdienst um das Menschenheil wäre, muß um seiner Schüler und Zöglinge, um seiner künftigen Ebenbilder willen sich ängstlich vor Jrrthümern und Charakterschwächen hüten, auf daß er nicht als einen „Vervielfältiger" des Irrthums und der sittlichen Schwäche statt eines Mehrers im Reiche des Wahren und Guten sich erweise. Aber auch alle Seligkeit des Lehrers und Erziehers, ja wir wagen es kühn zu sagen, die höchste einem Menschen hinieden erreichbare Seligkeit liegt in diesem Begriff. Er läßt den pflichtgetreuen, Wissens- und charaktertüchtigen Lehrer seinen Beruf als einen solchen begreifen, der, wie also kein anderer sonst, unmittelbar an der geistigen und sittlichen Zukunft der Menschheit arbeitet, dem, wenngleich von Menschen ungenannt, ungekannt, und nicht selten verkannt, doch vor Gott die bereits hiniedige Unsterblichkeit gewiß ist. Mit jeder Saat des Wahren und Guten, mit jeder Fähigkeit des Nützlichen und Heilschaffenden, die durch ihn Eigenthum seines Schülers und Zöglings geworden, schreibt er vor Gott sich ein in das Lebensbuch seines Schillers und Zöglings, und wo seine Schüler und Zöglinge sich einst tüchtig und wacker im Wissen und Vollbringen bewähren